Der lange Schatten der digitalen Überwachung

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Der gläserne Mensch ist Realität – das führen die neusten Enthüllungen über die Tätigkeiten ausländischer Geheimdienste klar vor Augen. Die Durchleuchtung von Usern und Kunden geht in Zeiten von Big Data weit über nachrichtendienstliche Lauschangriffe hinaus. Was bedeutet diese Entwicklung nun für unsere Privatsphäre und unser Recht auf informationelle Selbststimmung?

Mit seinen Enthüllungen über die ausufernde Überwachung allen elektronischen Datenverkehrs durch den amerikanischen Geheimdienst NSA hält Edward Snowden seit Monaten die Welt in Atem. Aus meiner Sicht als Datenschützer ist ein positiver Aspekt dabei, dass breite Bevölkerungsschichten zu realisieren beginnen, dass auch sie von dieser umfassenden transatlantischen Neugierde betroffen sind. Denn auch die Schweiz dürfte im Visier ausländischer Geheimdienste sein.

Eine schwierige Situation für uns alle: Das Internet ist mittlerweile aus unseren Leben ebenso wenig mehr wegzudenken wie die Smartphones und andere mobile Endgeräte. Im Gegenteil, die Bedeutung der neuen Informations- und Kommunikationsmedien für unseren Alltag und somit auch unsere Abhängigkeit von ihnen nimmt laufend zu; seien es Social Media, E-Payment oder Onlineshopping. Dabei werden jeden Tag unvorstellbare Datenmengen gesammelt, aus denen sich, entsprechend verknüpft und analysiert, etwa das künftige Verhalten einer Person vorhersagen lässt (Stichwort: Big Data). Damit weiss ein Datenanalyst unter Umständen mehr über eine Person als diese selber – eine erschreckende Vorstellung, nicht wahr?!

Es betrifft uns alle

Zahlreiche Firmen haben das Sammeln von Personendaten inzwischen als lukratives Geschäftsmodell entdeckt. Ihre häufig kostenlosen Dienstleistungen «bezahlen» die User und Konsumentinnen dabei mit ihren Daten. Wozu diese anschliessend verwendet und an wen sie weitergegeben werden, machen längst nicht alle Anbieter transparent. Ein Interesse an diesen persönlichen Informationen haben bei Weitem nicht nur Geheimdienste, sondern auch Marketingabteilungen, Versicherungen, Arbeitgeber, Steuerbehörden und viele mehr.

Wer jetzt sagt: «Mir egal, ich habe nichts zu verbergen», dem sei erwidert: Jede und jeder von uns hat etwas zu verbergen! Von kleinen Ticks über Krankheiten oder Schulden zu familiären Problemen haben wir alle Themen, die wir nur im engsten Kreis oder gar mit niemandem besprechen. Es ist ein kolossaler Irrtum zu glauben, dass man sich nur für Ihre Daten interessiert, wenn Sie etwas auf dem Kerbholz haben. Und dass nur demjenigen Schaden erwächst, dessen rechtlich relevantes Fehlverhalten  publik gemacht wird.

Massnahmen

Parallel zu den Enthüllungen Snowdens zeigt sich, dass Unternehmen und Private umzudenken beginnen. Krisensitzungen zur Sicherheit der eigenen Daten werden abgehalten und Massnahmen ergriffen. Die Sicherheit der mobilen Endgeräte ist dabei doppelt wichtig: Nicht nur zum Schutz der persönlichen Daten, sondern auch, weil viele Geräte heute privat und geschäftlich genutzt werden und so bspw. auch Unternehmensnetzwerke infizieren könnten. Vorfälle mit Schadsoftware auf Smartphones nehmen zu; dazu zählen auch Angriffe auf Bankkonten und Micropayment-Applikationen oder Diebstahl von Daten aller Art – Geschäftsgeheimnisse, Zugangsdaten zu Email- oder Social-Media- Konten, etc.

Nebst technischen Massnahmen zum Schutz der Personendaten braucht es aber auch eine breite öffentliche Diskussion über die Zukunft des Datenschutzes.

Ein paar Fragen, die sich angesichts der gegenwärtigen Entwicklung aufdrängen: Ist der Schutz unserer Privatsphäre in Zeiten von Geheimdienstüberwachung, Big Data und Internet der Dinge überhaupt noch möglich, oder werden wir uns künftig mit der totalen Transparenz abzufinden haben? Und wenn ja, was müssen Politik, Wirtschaft und andere Gesellschaftsbereiche tun, um das Selbstbestimmungsrecht der Bürger zu stärken? Und welche Rolle fällt dabei Ihnen als User und Userinnen zu?

(Quelle: Hanspeter Thür, Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter)

NSA bye bye: Gut gibt es die Enigmabox

Die Enigmabox ist eine Plug and Play Verschlüsselungsmaschine, welche verteilte und Ende-zu-Ende verschlüsselte Telefonie und E-Mail-Kommunikation ermöglicht, ohne dass man sich um Passwörter kümmern muss. Zusätzlich bietet es einen VPN-Zugang zum alten, unverschlüsselten Internet. Die Enigmabox ist Open Source und benutzt zur Kommunikation cjdns, ein Protokoll für ein verschlüsseltes IPv6 Meshnetzwerk. Weitere Informationen gibt es hier.

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