Die Bedeutung der Rhätischen Bahn für Tourismus und Bündner Bevölkerung

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Auch Bundesrätin Evelyn Widmer-Schlumpf ist ein grosser RHB-Fan und freut sich über die Zugkraft des Bündner Transportunternehmens. Bild: GMC/Gerd Müller

Die Rhätische Bahn war und ist ein wichtiger Verkehrsträger für das Unterengadin Ausschlaggebend für den  Bau der Bahnlinie Bever – Scuol war insbesondere der Kur- und Bädertourismus, welcher in «Bad Schuls-Tarasp-Vulpera» Anfang des 20. Jahrhunderts einen Höhepunkt erreicht hatte. Ab dem 1. Juli 1913 ersetzte die bequeme Fahrt mit der Eisenbahn die mühselige Reise mit der Postkutsche über die noch unbefestigten Strassen des Flüelapasses und durchs Engadin.

Der Fortschritt und die Bedeutung der Erschliessung des Unterengadins mit der Rhätischen Bahn als modernes Verkehrsmittel kann in anbetracht dessen, das der private Automobilverkehr in Graubünden bis ins Jahr 1925 verboten war, heute nur noch erahnt werden. In den folgenden Jahrzehnten und mit zunehmender Verbreitung des Automobils verlor die Unterengadiner Linie im Bezug auf die An- und Abreise sowie als Hauptverkehrsmittel der einheimischen Bevölkerung an Bedeutung. Die Fahrt nach Chur dauerte anfangs der 1990er Jahre mit der Bahn über drei nach Zürich sogar über fünf Stunden. Mit dem Auto waren diese Ziele über den Flüelapass – sofern dieser offen war – in knapp der Hälfte der Zeit zu erreichen. In dieser Zeit spielte die Linie insbesondere als Ausflugsbahn, im talinternen Personen- und Tourismusverkehr sowie im Güterverkehr eine wichtige Rolle.

Schon seit über 100 Jahren führt die RHB über den Bernina-Pass ins Puschlav. BIld:GMC/Gerd Müller

Seit 1999 neue Dimensionen erreicht

Es ist unbestritten, dass die Eröffnung der Eisenbahnlinie, wie in anderen Regionen des Kantons Graubünden, wesentlich zur touristischen und wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen hat. Mit der Eröffnung des Vereinatunnels am 19. November 1999 und der Inbetriebnahme der direkten Verbindung Scuol – Klosters – Landquart ist das Unterengadin aber nochmals in ein neues Bahnzeitalter getreten, welches in Ansätzen durchaus an die Aufbruchstimmung der Eröffnungszeit erinnert.

Die Eröffnung hat zu einem eigentlichen Umsteigeeffekt geführt. Der Anteil der mit der Bahn anreisenden Feriengäste hat sich etwa verdreifacht und liegt heute zwischen 20 und 25%. Bei der einheimischen Bevölkerung haben sich die Besitzer eines Halbtax- oder Generalabonnementes nach 1999 verfünffacht. Zusätzlich zu den bisherigen Feriengästen ist die Region nun auch für Tages- und Kurzaufenthalte (Weekend) attraktiv. Über den Bahnhof Scuol-Tarasp verkehren jährlich über eine halbe Million Bahnreisende, was einem Zuwachs von rund 80% gegenüber der Zeit vor 1999 bedeutet.

Auch die dampfbetriebene Schneeschleuder ist heute noch in Betrieb und gewährt den winterlichen Alpentransit nach Italien. Bild:GMC

Scuol ist seither Ausgangspunkt von zwei verschiedenen Linien. Einerseits Richtung Zernez – Samedan – Pontresina (St. Moritz) und andererseits durch den Vereinatunnel nach Klosters – Landquart – Chur (- Disentis/Mustér). Die Anzahl der Züge hat sich beinahe verdoppelt. Mit der Inbetriebnahme des Autoverlades am Vereinatunnel hat die Rhätische Bahn kurzerhand «aus Konkurrenten Kunden gemacht» und konnte in gut 10 Jahren bereits über 5 Millionen Fahrzeuge transportieren.

Der neue Bahnhof Scuol-Tarasp – modern, leistungsfähig aber mit dem Flair von 1913

Trotz des massiven Verkehrszuwachses nach der Eröffnung der Vereinalinie wurde der Bahnhof Scuol-Tarasp bis ins Jahr 2009, mit wenigen baulichen Anpassungen in den vergangenen 95 Jahren, immer noch über die ursprüngliche Anlage aus der Eröffnungszeit (1913) abgewickelt.

2009 wurden innerhalb von acht Monaten sämtliche Gleise sowie die modernen Perronanlagen neu gebaut. Das Bahnhofgebäude wurde mit Rücksicht auf die historische Bausubstanz in ein modernes Kunden- und Dienstleistungszentrum umgewandelt. Die Anlagen entsprechen nun den heutigen Anforderungen Bahnkunden sowie -mitarbeitenden und erfüllen auch die betrieblichen und technischen Anforderungen. Die funktionale Gesamtkonzeption, der behutsame Umgang mit der historischen Bausubstanz, die Integration von modernen Kundenanlagen und Arbeitsplätzen begeistert Kunden und Mitarbeitende gleichermassen.

Moderne, komfortable Züge und Rollmaterial gehören zur RHB wie die rote Farbe. Bild: GMC

Das neu erstellte Mittelperron mit Überdachung, welches sich am Kopfende zu einer eigentlichen Halle erweitert, deckt die Grundbedürfnisse des öV-Nutzers bestens ab. Reisende profitieren von kurzen und direkten Wegen zwischen Perron, Postauto, Bergbahn und Parkplatz. Dank einer cleveren Konzeption der Gleisanlage sind diese Verbindungen frei von Unterführungen, Treppen, Rampen oder anderen «Hindernissen». Dienstleistungen wie Billettautomat, Entwerter, Kundeninformationssystem, Bankomat, Waren- und Fotoautomat, sowie die neuen WC-Anlagen und ein Kurzzeit-Warteraum sind zentral angeordnet. Ergänzt wird das Angebot durch einen passenden touristischen Informationspunkt sowie dem Imbiss-Lokal «La boccada», deren Gebäude sich hervorragend in das Gesamtbild einfügen.

Kunden, welche eine Beratung oder weitere Dienstleistungen in Anspruch nehmen wollen, betreten das altehrwürdige Aufnahmegebäude. Wie 1913 werden die Kunden wieder in der Haupthalle, dem Herzen des Gebäudes, betreut und werden somit wörtlich «ins Zentrum gerückt». An breiten Holzthresen mit grosszügigen mobilen Verglasungen, welche in die Steinbögen der ursprünglichen Schalter aus der Eröffnungszeit integriert sind, erleben Kunden wie Mitarbeitende eine angenehme und offene Beratungs- und Verkaufsatmosphäre. Die moderne und speziell gestaltete Info- und Wartezone lädt so manchen Kunden zum Verweilen ein. An die Stelle des «berühmt-berüchtigten» alten «1.und 2.-Klass-Warteraums» mit den roten Polstermöbeln – ja, 1913 gab es auch noch eine 3. Klasse – ist der moderne und nun zentral gelegene Kiosk gerückt.

Von aussen weniger sichtbar, wurde aber der grösste Betrag der Umbauten in die komplett neue Gleis- und Sicherungsanlagen investiert. Die neue Anlage entspricht den neusten Sicherheitsstandards und kann nun vollständig ferngesteuert und automatisiert betrieben werden. Die neue Anlage ermöglicht eine wesentlich flexiblere und effizientere Betriebsführung.

Investitionen von weit über 100 Million Franken in die Infrastruktur im Unterengadin…

Bei der 100 Jahr Feier des Bernina Express sichtlich erfreute Gesichter bei BR Eveline Widmer-Schlumpf und dem Bündner Regierungsratspräsident Claudio Lardi. BIld: GMC

Nebst dem Bau des Vereinatunnels (CHF 900 Mio) und den laufenden ordentlichen Unterhalts- und Erneuerungsarbeiten wurden, beziehungsweise werden zurzeit rund 118 Millionen Franken in Erneuerungs- und Ausbauprojekte auf dem Streckenabschnitt zwischen Zernez und Scuol.-Tarasp investiert.

…über 40 Millionen Franken für moderne, kundenorientierte und effiziente Bahnhöfe

In die Kompletterneuerung des Bahnhofs Scuol-Tarasp im Jahre 2009 wurden rund 21 Millionen Schweizer Franken investiert. Nach gleichem Vorbild ist der Bahnhof Zernez in den Jahren 2010/2011 ebenfalls einem Totalumbau unterzogen worden. Seit dem 11. November 2011 erstrahlt auch dieser in neuem Glanz. Als wichtige Verkehrsdrehscheibe im Zentrum des Engadins, Tor zum Schweizerischen Nationalpark und als Umsteigepunkt zu den Internationalen Postautolinien Richtung Ofenpass – Müstair – Mals (Südtirol) und nach Livigno verfügt der Bahnhof nun über moderne Perron-, Kunden- und Verkaufsanlagen. Auch in Zernez wurden die Gleis- und Sicherungsanlagen, sowie das wichtige Güterumschlagszentrum komplett neu erstellt. Mit Gesamtinvestitionen von rund 20 Millionen Schweizer Franken wurden die neuen Anlagen bereits auf das Betriebskonzept «Retica 30» ausgerichtet, welches in Zukunft den Halbstundentakt zwischen den Anschlüssen der SBB in Landquart und Chur und dem Engadin sicherstellen soll.

Dank regelmässiger Investitionen zum unverzichtbaren Rad des Bündner Wirtschaftmotors geworden

…über 70 Millionen Franken zur Sicherung der Linienführung für die nächsten 100 Jahre

Bereits bei der Planung und dem Bau der Bahnlinie anfangs des vergangenen Jahrhunderts stellte der Abschnitt zwischen Guarda und Scuol die Ingenieure vor besondere Herausforderungen. Das geologische Phänomen des «Unterengadiner Fensters» sorgt zwar einerseits für einen reichen Schatz an verschiedenen Mineralwasserquellen in der Region, andererseits aber auch für sehr instabile Geländeverhältnisse. Diese Herausforderung wurde mit der Verlegung der Linienführung in mehrere und teilweise lange Tunnels so gut wie möglich entschärft. Obwohl die Linie bisher immer sicher betrieben werden konnte, hat die stetige Talwärtsbewegung des Felsen während den vergangenen 100 Jahren dazu geführt, dass nun umfangreiche Massnahmen zur Sicherung der Linie für die Zukunft notwendig werden.

In den Jahren 2008/2009 wurde im «Tasnatunnel» – mit 2.3 Kilometer nach dem Vereina- und Albulatunnel der drittlängste Tunnel der RhB – mittels Vergrösserung und Sicherung des Tunnelprofils auf einer Länge von rund 300 Metern sichergestellt. Dadurch können die Bewegungen des Berges in den nächsten rund 100 Jahren aufgefangen und mittels regelmässiger Korrektur der Gleisführung ausgeglichen werden. Das Projekt konnte mit Investitionen von knapp 27 Millionen Schweizer Franken im November 2009 gleichzeitig mit dem Umbau des Bahnhofes Scuol-Tarasp abgeschlossen werden.

Das nächste Grossprojekt steht bereits vor der Tür. Im Bereich «Magnacun» zwischen Guarda und Ardez sind weitere Modernisierungsmassnahmen notwendig. Kurz nach dem Bahnhof Guarda wird das Trassee auf rund 750 Meter Länge in den Berg verlegt und mündet direkt in den bestehenden Magnacuntunnel. Der «neue» Magnacuntunnel wird eine Gesamtlänge von rund 2.4 Kilometer statt wie bisher 1.9 Kilometer haben und die Züge werden in Zukunft durch eine ruhigere Geländezone fahren können. Das Projekt rechnet mit Kosten von rund 46 Millionen Schweizer Franken und wird zwischen 2014 und 2017 ausgeführt. Während dieser Zeit bleibt die Bahnlinie nach Scuol-Tarasp, mit Ausnahme der einmonatigen Abschlussphase, vollumfänglich in Betrieb. www.rhb.ch

 

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Über Gerd M. Müller

Der Zürcher Foto-Journalist Gerd Michael Müller gründete vor 20 Jahren die Presse- und Bildagentur GMC Photopress. Müller arbeitet seit über 25 Jahren in der Tourismus-, Medien- und Kommunikationsbranche. Er hat über 1000 Publikationen und Reisereportagen in renommierten Medien veröffentlicht (u.a. «Welt am Sonntag», «FAZ», «FACTS», «Weltwoche», «SonntagsZeitung», «Globo», «Animan», «Reisen & Kultur-Journal», «FAZ», «Spiegel», «Süddeutsche Zeitung») und darüber hinaus auch für hochkarätige Spa- and Travel-Magazine wie «Relax & Style», «Tourbillon», «Excellence International», «World of Wellness» und «Wellness Live» gearbeitet. GMC Photopress besitzt ein umfangreiches Bildaurchiv mit rund 250'000 Bildern aus über 80 Ländern zu den Themen Lifestyle, Luxus, Beauty & Spa, Kultur, Touristische Highlights, Natur, Landschaft, Wildlife, Umwelt, Humanitäres und Soziales.
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2 Kommentare zu Die Bedeutung der Rhätischen Bahn für Tourismus und Bündner Bevölkerung

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