Die Rhätische Bahn ist eine facetten und erlebnisreiche Gebirgsbahn

Print Friendly, PDF & Email

Eine Bahnreise durchs spektakuläre Weltkulturerbe der Rhätischen Bahn zählt zu den tourisitischen Highlights der Schweiz. Bild: z.V.g.

Der Entscheid der nationalen und internationalen Verkehrspolitik 1869/71 zu Gunsten der Gotthardbahn war ein herber Schlag für das klassische Passland im Südosten der Schweiz. Mit der Eröffnung dieser internationalen Eisenbahnlinie im Jahr 1882 verfiel der Gebirgskanton Graubünden in eine tiefe Depression: praktisch über Nacht versickerte eine bedeutende Wirtschaftsquelle. Der einst so blühende Warenaustausch über die Alpenpässe Julier, Septimer, Splügen und Bernhardin bedeutete seit dem Mittelalter Wohlstand und Verdienst für einen Grossteil der Bevölkerung. So mag es doch einigermassen erstaunen, dass ausgerechnet ein Holländer die trauernden Bündner aufrüttelte. Willem Jan Holsboer’s (1834-93) Idee einer innerbündnerischen Bahn überzeugte.

Eine der historischen Bernina-Bahn-Kompositionen: Bild: GMC/Gerd Müller

1887 gelang ihm die Gründung, die Finanzierung und der Baubeginn der ersten Eisenbahnlinie in Graubünden, der «Schmalspurbahn Landquart – Davos», welche bereits 1889 (bis Klosters, ein Jahr später bis Davos) eröffnet wurde. Leider konnten nicht alle seine weiteren Bahn-Projektideen in Graubünden realisiert werden; er verstarb im Alter von nur 59 Jahren in Davos. Seinem Pioniergeist  verdankt Graubünden jedoch die Verwirklichung einer leistungsfähigen Gebirgsbahn. Mit der Eröffnung der Arosabahn 1914 war dann für lange Zeit fertig lustig mit Bahnbauten in Graubünden. Genau genommen bis zum 19. November 1999, bis die 21 km lange Vereinalinie zwischen Klosters und dem Unterengadin den Betrieb aufnahm. Diese wintersichere Verbindung steht auch als Symbol für die heutige moderne und leistungsfähige Rhätische Bahn (RhB) in Graubünden.

Die touristische Erlebnisbahn

Die RHB kreuzt bei den drei Oberengadinersee die Windsurfer. Bild: z.V.g.

«Die Bündner ernähren sich von Touristen…». Dieses berühmte Zitat aus einem Aufsatz eines einheimischen Schülers entspricht – richtig verstanden – durchaus der Realität und kann 1:1 auch auf die Rhätische Bahn übertragen werden. Kein Wunder, stammen doch rund 80 Prozent der Erträge aus dem Personenverkehr von den Segmenten Freizeit und Touristischer Verkehr.. Eine grossartige Landschaft, die einzigartige Streckenführung und kreative Angebote auf den Schienen machen die Bündner Bahn zur speziellen Bahn, welche nicht nur bei Eisenbahnliebhabern sehr beliebt ist. Authentische Zugskompositionen aus dem Dampfzeitalter wie auch Fahrzeuge aus den dreissiger Jahren fehlen ebenso wenig im Angebot wie modernste Panoramawagen in den weltberühmten Zügen «Bernina Express» und «Glacier Express». Rund 10 Millionen Fahrgäste geniessen jährlich die besondere Ambiance einer Bahnfahrt in und durch Graubünden.

UNESCO Weltkulturerbe Lokomotive der Rhätischen Bahn in Samedan. Bild: GMC/Gerd Müller

 

UNESCO Welterbe – Ein bahntechnisches Meisterstück

Am 7. Juli 2008 hat das Welterbekomitee der UNESCO in Quebec (Kanada) entschieden, die Albula- und die Berninastrecken der Rhätischen Bahn auf die Welterbeliste zu nehmen. «Die Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina» ist damit nebst der Semmeringbahn in Österreich und die Darjeelingbahn in Indien weltweit erst die dritte Bahn, welche das begehrte Label tragen darf.

Die Bahnstrecken zwischen Thusis und St. Moritz (Albula) und St. Moritz und Tirano (Bernina) sind hervorragende und technisch innovative Beispiele für die Erschliessung der hochalpinen Landschaft und gehören zu den spektakulärsten Schmalspurbahnen der Welt. Zur aussergewöhnlichen Bedeutung der Albula- und Berninastrecke gehört auch die sie umgebende Landschaft. Einerseits ist der direkte Bezug zum Bahnbau von einzigartiger Qualität, andererseits führt die Strecke durch eine überaus reiche Kulturlandschaft. Die Kunstbauten der Bahn bilden mit der besonderen Topographie eine Einheit. (www.rhb.ch/unesco)

Die Lokführer bringen nicht nur Personen sondern auch viele Güter über die Alpen. Bild: GMC/Gerd Müller

Bärenstarke Güterschlepperin

Als bärenstark erweist sich die Rhätische Bahn auch im Güterverkehr. Rund 700 000 Tonnen werden jährlich auf dem Bündner Bahnnetz verschoben. Damit erbringt sie indirekt auch eine grosse ökologische Leistung: Immerhin erspart sie den Bündnerinnen und Bündnern und ihren Gästen jährlich Immissionen von weit über 100 000 Lastwagenfahrten. Über Berg und Tal erreichen die Frachten ihr Ziel – pünktlich und sicher, Tag für Tag. Kombinierter Güterverkehr heisst die Lösung für die Bündner Meterspurbahn. In modernen logistischen Zentren übernimmt die Rhätische Bahn die Container direkt von der SBB und übergibt sie in den Regionen dem Lastwagen für die Feinverteilung. Die RhB konnte mit ihrem ausgeklügelten Transportkonzept bereits Grosskunden überzeugen: Die Post und Coop führen seit der Eröffnung der Vereinalinie in frühen Morgenextrazügen ihre Frachten von Chur und Landquart durch den Vereinatunnel direkt ins Engadin. Somit erreicht das frische Gemüse das Ladenregal noch vor Geschäftsöffnung und die Postpakete sind ebenfalls rechtzeitig im Engadin.

Dank dem Vereinatunnel bringt der Autoverladezug die Autofahrer vom Unterland sicher und benzinsparend ins Engadin. Bild: z.V.g.

Vereina – eine Erfolgsgeschichte

Während frühere Tunnelprojekte wie der Furkabasistunnel oder der Centovallitunnel bei Locarno oder aktuell die Neat für negative Schlagzeilen sorgten und sorgen, kann die Vereinlinie als wahres Musterbauwerk bezüglich Planung, Bauausführung, Betriebskonzept, Bauzeit und -kosten bezeichnet werden. Nach 8½ Jahren Bauzeit konnte diese erste (!) Netzerweiterung der Rhätischen Bahn seit 85 Jahren (1914 wurde die Chur-Arosalinie als jüngste Bahnlinie in Graubünden eröffnet) am 19. November 1999 mit einem grossen Fest eröffnet werden – ein gutes halbes Jahr früher als geplant. Auch der Betrieb der Vereinalinie stösst bei der einheimischen Bevölkerung sowie bei den Feriengästen auf grosse Akzeptanz. Beinahe eine halbe Million Autofahrer benützen jährlich diese schnelle und (winter-) sichere Verbindung zwischen Klosters und dem Engadin. Auch die Reisezüge durch den Vereina erfahren sehr starke Frequenzen dank der markant kürzeren Reisezeit; die Fahrzeit zwischen Zürich und dem Unterengadin (und umgekehrt) beispielsweise hat sich mit der Eröffnung der Vereinalinie halbiert.

Zahlen und Fakten (Basis 2011)

Personenverkehr              9.6 Mio. Reisende

Güterverkehr                     704‘000 Tonnen

Autoverlad                         473‘000 Autos

Ertrag/Aufwand                 CHF 329 Mio.

Investitionen                      CHF 149 Mio.

Mitarbeitende                     rund 1400

Streckennetz                     384 km

Für weitere Auskünfte: www.rhb.ch

 

LINKS TO THE PHOTO-GALLERIES

St. Moritz: Der Diamant on top of the world

Der Zauber der Oberengadiner Berge und kristallklaren Gletscherssen entdecken

Unterwegs mit der UNESCO-Bahn RHB

Casino St. Moritz & das Jazz Festival in der Cigar Smokers Lounge im Kulm

Grand Cru: Kempinski des Baign in St. Moritz

Gourmetausflug ins Hotel Kronenhof in Pontresina

Das legendäre Kulm Hotel in St. Moritz im Jazz Fieber

Genial gut: Giardino Mountain in Champfer

Swiss Helicopter im bärenstarken Einsatz

LINK ZUM BILDARCHIV

 

Link zu weiteren Reportagen übers Engadin:

Die Bedeutung der Rhätischen Bahn für Tourismus und Bündner Bevölkerung

Den Zauber der Engadiner Bergwelt erleben

Sommer-Highlight im Engadin: Estival da Jazz in St. Moritz

Kulm Hotel in St. Moritz      

Das Cresta Palace Hotel in Celerina

Giardino Mountain im Engadin                    

Hotel Waldhaus in Flims     

Über Gerd M. Müller

Der Zürcher Foto-Journalist Gerd Michael Müller gründete vor 20 Jahren die Presse- und Bildagentur GMC Photopress. Müller arbeitet seit über 25 Jahren in der Tourismus-, Medien- und Kommunikationsbranche. Er hat über 1000 Publikationen und Reisereportagen in renommierten Medien veröffentlicht (u.a. «Welt am Sonntag», «FAZ», «FACTS», «Weltwoche», «SonntagsZeitung», «Globo», «Animan», «Reisen & Kultur-Journal», «FAZ», «Spiegel», «Süddeutsche Zeitung») und darüber hinaus auch für hochkarätige Spa- and Travel-Magazine wie «Relax & Style», «Tourbillon», «Excellence International», «World of Wellness» und «Wellness Live» gearbeitet. GMC Photopress besitzt ein umfangreiches Bildaurchiv mit rund 250'000 Bildern aus über 80 Ländern zu den Themen Lifestyle, Luxus, Beauty & Spa, Kultur, Touristische Highlights, Natur, Landschaft, Wildlife, Umwelt, Humanitäres und Soziales.
Dieser Beitrag wurde unter Destinations, EUROPA, NATUR-/LANDSCHAFTSSCHUTZ, RAILWAY, Schweiz, TRANSPORT, TRAVEL-TIPPS, Umwelt abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Die Rhätische Bahn ist eine facetten und erlebnisreiche Gebirgsbahn

  1. Pingback: Harsche Kritik von allen Seiten zwingt SBB, den Bussenterror einzuschränken |

  2. Pingback: Traumhafte Bahnreise zu sieben Unesco Weltkulturerben |

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.