Exklusiv-Interview mit dem iranischen Botschafter in Bern

Print Friendly, PDF & Email

 

Der Iranische Botschafter Dr. Alireza Salari mit dem ehemaligen Schweizer Diplomaten Daniel Ambühl im Gespräch am Tag nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative. Bild: GMC Photopress/Gerd Müller

Der Iranische Botschafter Dr. Alireza Salari mit dem ehemaligen Schweizer Diplomaten Daniel Ambühl im Gespräch am Tag nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative. Bild: GMC Photopress/Gerd Müller

Interview mit SE Dr. Alireza Salari, iranischer Botschafter in Bern

Allmynews  war zur 35 jährigen Geburtstagsfeier der Islamischen Republic Iran eingeladen. Fotojournalist und Allmynews-Herausgeber Gerd Müller kam zu einem Exklusiv-Interview mit „Seiner Excellenz“ Dr. Alireza Salari,  dem iranischer Botschafter in Bern. Er sprach mit ihm über die Lockerung der Sanktionen, die „westliche Medien-Propaganda“ und die Hoffnungsschimmer für die Wirtschaft und Tourismusbranche.  

Allmynews: Dr. Salari, der Iran blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück. Die Präsidentschafts-wahlen, die Verhandlungen in Genf, die zur Lockerung der UNO-Sanktionen führten, die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu den USA. Läutet der Iran den arabischen Frühling im Land ein?

Dr. Salari: Wir hatten unseren „persischen Frühling“ schon vor 35 Jahren und seither dank einem demokratischen System auf der Basis einer islamischen Konstitution, konnten wir alle vier Jahre den Duft dieses Frühlings wieder einatmen.

EU-Botschafter Richard Jones im Gespräch mit einem Kollegen. Bild: GMC

EU-Botschafter Richard Jones im Gespräch mit einem Kollegen. Bild: GMC

Allmynews:  Glauben Sie, dass sich die getrübten Beziehungen des Irans zum Westen nun  nachhaltig normalisieren lassen? Welche Schritte plant die neue Iranische Regierung zur Entspannung und Annäherung von Ost und West?

Dr. Salari: Die Krise mit dem Westen war auf eine unnötige Provokation, die von Feinden im Innern und ausserhalb des Irans geschürt wurde. Wenn die Parteien die dicke Luft verdunsten lassen und keine weiteren Provokationen unternehmen werden sich die Rauchschwaden verziehen und beide Seiten werden erkennen, dass wir mit respektvollen Verhandlungen und Zugeständnissen weiterkommen und den Friedensprozess in der Welt beschleunigen.

Allmynews:  Sie sprachen in einem Bericht über die Instrumentaliserung und Propaganda westlicher Medien anlässlich der Schliessung des Senders „Iran Press“. Wo unterscheidet sich diese seitens der iranischen Medien punkto Darstellung der Sichtweise der Regierung? 

Dr. Salari im Gespräch mit einem deutschen Diplomaten. BIld: GMC

Dr. Salari im Gespräch mit einem deutschen Diplomaten. BIld: GMC

(Zitat: „Die Medien werden zur Verfolgung der nationalen Interessen benutzt.“ … „Sie durften nicht ohne Einschränkungen und besondere Auflagen über den Iran berichten.“ … „Die derzeitige Berichterstattung über den Iran verfolgt die Verbreitung eines negativen Bildes.“)

Dr. Salari: Ich glaube, dass die Mehrheit der etablierten Medien im Westen sich den Interessen von einflussreichen Lobbisten beugt, welche die Wirtschaft monopolisieren und die Kulturen und Politik verschiedener Länder homogenisieren möchten. Das erscheint mir als einer der Hauptgründe, weshalb es überhaupt zu den Sanktionen gekommen ist. Die Medien haben sich unkritisch den Interessen der Politik und Wirtschaft angeschlossen. Und auch die Pressefreiheit missachtet bzw. geduldet.

Allmynews: Wie meinen Sie das?

Damit ist die Blockierung der freien Meinungsäusserung infolge der Schliessung von Radio und TV-Stationen gemeint. Diese Pressezensur war den westlichen Medien keine Zeile wert, obschon sie, wäre das in ihrem Fall passiert, heftig protestiert hätten und die Seiten gefüllt wären mit dem Eingriff in die Pressefreiheit.

Auch der koreanische Botschafter wird von Dr. Salari begrüsst. BIld: GMC

Auch der koreanische Botschafter wird von Dr. Salari begrüsst. BIld: GMC

Allmynews:  Welche Wirtschaftszweige im Iran werdenam meisten von den Lockerungen der Sanktionen profitieren? Kommt der Jubel der europäischen Unternehmen zu früh? Die USA warnen davon.

Dr. Salari: Die Sanktionen des Westens haben die Gesamtwirtschaft und die ganze Zivilgesellschaft getroffen. Die inhumanste Aktion war die Blockade von Medikamenten und Arzt-/Spitalinstrumenten. Das hat viele unschuldige Leben gekostet. Mit anderen Worten: Wir wurden Opfer eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit. Auch mit der Blockade der Aussenhandelsbeziehungen und die Sanktionen bei den Devisen- und Bankengeschäften haben dem Iran stark zugesetzt. Ohne dass sich hier dran was ändert, gibt es keinen gangbaren Weg für eine Lösung.

Allmynews:  Und wie ist es um die Tourismusbranche bestellt. Die ITB in Berlin steht vor der Tür. Steht der Iran in den Startlöchern für einen leichten touristischen Aufschwung?

Auch japanische Diplomaten besuchten die iranische Botschaft. Bild: GMC

Auch japanische Diplomaten besuchten die iranische Botschaft. Bild: GMC

Dr. Salari: Ja, die Tourismusbranche ist gewiss eine der Industrie, die vom wirtschaftlichen Aufschwung mit dem Ende der Sanktionen rasch profitieren könnten und darüber hinaus zur Völkerverständigung beitragen würden. Der Iran ist eines der kulturell reichsten Länder der Welt und hat viele historische Monumente vorzuweisen. Aber wir müssen erst wieder in die INfrastruktur investieren können. Dann würden wir die unabhängigen Medien auch wieder einladen, den Iran selbst und facettenreicher kennenzulernen.

Allmynews:  Zu unserer Schlussfrage, Eure Exzellenz: werden Sie von der NSA abgehört und überwacht? Wie ist das im Visier der Geheimdienste zu stehen und was tun Sie, um ihre Privatsphäre zu schützen? Würde der Iran einem Edward Snowden Asyl gewähren?

Dr. Salari:Unter den heutigen Umständen hat die Überwachung der USA groteske Züge angenommen und keiner ist immun dagegen. Auf der anderen Seite haben wir nichts zu verbergen. Die iranische Politik ist vielleicht eine der transparentesten der Welt. Und genau dies hat letztlich auch zu den Sanktionen geführt. Was Mr. Snowden betriff so glaube ich dass es auch genug westliche Staaten gäbe, die ein INteresse hätten, ihm Asyl zu gewähren und zu untersuchen, wie gross der Spionage-Schaden, den die USA angerichtet haben, ist. 

Allmynews: Herr Botschafter, Allmynews bedankt sich bei Ihnen für das Gespräch und die Einladung zum Jubiläumsanlass.

Salaris beeindruckende Karriere:

IRN_4490GMC– Master-Studium in Informationstechnologie. Nach Akademischer Laufbahn:

– Im iranischen Ministerium zum Direktor Europa aufgestiegen

– Botschafter in Belgien und Leiter der iranischen Vertretung beim EWG

 – Generalsekretär der  ECO (Economic Cooperation Organization)

– Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Weitere Berichte über das Tauwetter zwischen dem Iran und dem Westen:

Interview with the Iranian Ambassador in Bern

President Rouhani Delivers Message of Friendship and Hope  

Iran Foreign Minister Calls for Even-handed Approach to Peace in Syria         

Schweiz-Iran: Gespräche in Tehran über Humanitäre Zusammenarbeit

Iran-Switzerland: Keen to Expand Humanitarian Aid Cooperation

USA pfeifen EU-Firmen bei Iran-Geschäften zurück

Schweizer Iran-Sanktionen löchriger als Emmentaler-Käse 

Nahost-Dossier:

Weitere CHF 5 Mio. für Winterhilfe an notleidende Opfer der Syrienkrise

Several Syrian journalist arrested and in life-danger

Links zu den Themen-Specials und regionalen Übersichten

Alle Bilderstrecken 2012/13 | Reisetipps | Tourismus-Dossier Schweiz Reiseziele nach Ländern sortiert | Gesundheit – Lifestyle – Wellness | Umweltberichte | Humanitäre Berichte | Cruise-Reports| Hotelportraits | Berner Oberland Berichte | Engadiner Berichte Lago Maggiore Berichte

Links zu den Werbeauftritten und Hintergrundinformationen

Impressum | Datenschutz und Haftungsausschluss | Links zu NGO’s, die GMC unterstützt | GMC’s Projektsupport NGO’s | Gerd Müller’s Highlights of an encouraged „Wild-Life“ | Online-Werbung im Visier? | PR-Auftritte | Newsletter Performance | Zielgruppen-Definition & Newsletter-Distribution |

Über Gerd M. Müller

Der Zürcher Foto-Journalist Gerd Michael Müller gründete vor 20 Jahren die Presse- und Bildagentur GMC Photopress. Müller arbeitet seit über 25 Jahren in der Tourismus-, Medien- und Kommunikationsbranche. Er hat über 1000 Publikationen und Reisereportagen in renommierten Medien veröffentlicht (u.a. «Welt am Sonntag», «FAZ», «FACTS», «Weltwoche», «SonntagsZeitung», «Globo», «Animan», «Reisen & Kultur-Journal», «FAZ», «Spiegel», «Süddeutsche Zeitung») und darüber hinaus auch für hochkarätige Spa- and Travel-Magazine wie «Relax & Style», «Tourbillon», «Excellence International», «World of Wellness» und «Wellness Live» gearbeitet. GMC Photopress besitzt ein umfangreiches Bildaurchiv mit rund 250'000 Bildern aus über 80 Ländern zu den Themen Lifestyle, Luxus, Beauty & Spa, Kultur, Touristische Highlights, Natur, Landschaft, Wildlife, Umwelt, Humanitäres und Soziales.
Dieser Beitrag wurde unter Bundesrat, DEZA, EDA, EDA, Governments, HUMANITÄRE HILFE EUROPAS, IRAN, ORIENT, Schweiz, Schweizer Regierung abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.