IPPC-Rat: «Der Klimawandel verändert unsere Welt grundlegend»

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Auch die Alpen sind vom Klimawandel stark betroffen. Die Gletscherschmelze und die Erosion der Alpen sowie die Hochwasser-Gefahr nehmen zu. Bild: Aletschgletscher. © GMC/Gerd Müller

Auch die Alpen sind vom Klimawandel stark betroffen. Die Gletscherschmelze und die Erosion der Alpen sowie die Hochwasser-Gefahr nehmen zu. Bild: Aletschgletscher. © GMC/Gerd Müller

Die Uno warnt in ihrem neuen Klimareport vor einem sehr schnellen Anstieg des Meeresspiegels. Es drohen Hitzewellen, viele Gletscher könnten komplett verschwinden.

2008 wurde das Grossprojekt gestartet, jetzt ist der fünfte Uno-Report über die naturwissenschaftlichen Aspekte des Klimawandels, an dem 840 Wissenschaftler aus 38 Ländern gearbeit et haben, fertig. Tausende von Studien haben sie gesichtet, um den Stand des Wissens über die Umwelt zu ermitteln. Mehr als 50.000 kritische Kommentare von Gutachtern wurden bewertet.

Seit heute stellt der die Zusammenfassung des tausendseitigen Mammutwerks vor, über die bis in die Morgenstunden verhandelt wurde. Seit Montag haben Regierungsvertreter und Forscher um jedes Wort des 30-seitigen Resümees gerungen, das die politisch relevanten Ergebnisse der Klimaforschung darstellen soll. Der Report selbst soll Montag veröffentlicht werden. „Der Klimawandel geht unvermindert weiter“, sagt der chinesische IPCC-Verhandlungsleiter Qin Dahe.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Uno-Klimareports:

Viele Atolle werden verschwinden. Sandaufschüttung bei Ihuru Island in den Malediven. Bild GMC /Gerd Müller

Viele Atolle werden verschwinden. Sandaufschüttung bei Ihuru Island in den Malediven. Bild GMC /Gerd Müller

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Luft im weltweiten Durchschnitt um 0,9 Grad erwärmt, Schnee und Eis sind in erheblichem Masse geschmolzen, der Meeresspiegel ist seither um 20 Zentimeter gestiegen, im Einklang mit pessimistischen Uno-Prognosen. Die vergangenen 30 Jahre waren zumindest auf der Nordhalbkugel wohl die wärmsten 30 Jahre seit dem Hochmittelalter, als es wenigstens in manchen Regionen ähnlich mild war wie heute. In den vergangenen 15 Jahren ist die globale Durchschnittstemperatur in Bodennähe aber nicht weiter gestiegen.

Trotz dieser Pause gehe der Klimawandel weiter, betont der IPCC: Schnee und Eis tauen in beträchtlichem Masse. Bis auf wenige Ausnahmen schrumpfen alle vermessenen Gletscher; allerdings gibt es von den meisten Gletschern keine Daten über längere Zeit, so dass sich bei ihnen keine Entwicklung beschreiben lässt.

Satellitenmessungen der Erdanziehungskraft zeigen gleichwohl, dass Grönland zwischen 2002 und 2011 etwa sechsmal mehr Eismasse verloren hat als in den Jahren zuvor zwischen 1992 bis 2001. Entsprechende Messungen demonstrieren, dass auch die Antarktis mehr Eis verliert als Schnee gewinnt. Die Verluste stammen wohl ausschliesslich aus der Westantarktis, die wie ein kontinentaler Finger nach Norden ragt.

Bald könnte die Arktis zum ersten Mal in der Erdgeschichte eisfrei sein. Mit verheerenden Konsequenzen für die Menschheit. Wollen wir dies wirklich zulassen? Bild Spitzbergen. © GMC/Otromundo/Vreni Müller

Bald könnte die Arktis zum ersten Mal in der Erdgeschichte eisfrei sein. Mit verheerenden Konsequenzen für die Menschheit. Wollen wir dies wirklich zulassen? Bild Spitzbergen. © GMC/Otromundo/Vreni Müller

Auch im Meer schrumpft das Eis: Der Schollenteppich auf dem Arktischen Ozean ist dramatisch dünner geworden; im Sommer 2012 verkleinerte sich seine Ausdehnung gar auf die Hälfte der zu dieser Jahreszeit Mitte des vergangenen Jahrhunderts üblichen Bedeckung. Vermutlich, so schliessen die Klimaforscher, war das Arktiseis seit mindestens 2000 Jahren im römischen Klimaoptimum nicht mehr so dünn. Das Meereis vor der Antarktis hingegen ist während der vergangenen Jahrzehnte aus ungeklärten Gründen leicht gewachsen.

Auch in mittleren Breiten schmilzt der Schnee. Im März und April fallen auf der Nordhalbkugel aufgrund der Erwärmung erheblich weniger Flocken, berichtete der IPCC. Ganzjährig gefrorene Erde taut mancherorts: Im Norden Russlands schrumpft die Dicke des Permafrostbodens.

Ursache des Klimawandels sei hauptsächlich Kohlendioxid (CO2), das der Mensch mit Abgasen in die Luft blase. Der Klimarat ist sich dabei „zu 95 Prozent sicher“, im vorigen Bericht lag die Sicherheit noch bei 90 Prozent. Die Zahl beruht nicht auf statistischer Berechnung, sondern auf einer Abstimmung unter Fachleuten.

Die Strahlungswirkung von CO2 stehe in gutem Einklang mit dem Temperaturanstieg der vergangenen Jahrzehnte, meinen die Experten: Das Gas hält Sonnenstrahlung in der Atmosphäre zurück. Würde sich die Menge von CO2 in der Luft verdoppeln, stiege die Temperatur chemischen Experimenten zufolge um ein Grad. Die wärmere Luft liesse mehr Wasser verdampfen, das quasi als Dampfglocke die Luft weiter erwärmen würde.

Die Ölförderung in der Arktis muss gestoppt werden, da diese sonst noch schneller schmilzt: © GMC/Otromundo/Vreni Müller

Die Ölförderung in der Arktis muss gestoppt werden, da diese sonst noch schneller schmilzt: © GMC/Otromundo/Vreni Müller

Wie stark der Effekt ist, gilt als Kernfrage der Klimaforschung. Die sogenannte Klimasensitivität beziffert der Uno-Klimareport auf 1,5 bis 4,5 Grad – so stark stiege die Lufttemperatur aufgrund des Wasserdampfs, würde sich die CO2-Menge verdoppeln. Die Spanne wurde aufgrund der jüngsten Klimaentwicklung im Vergleich zum letzten IPCC-Bericht 2007 leicht nach unten korrigiert.

Der Ausstoss von CO2 aus Fabriken, Autos oder Kraftwerken habe sich allein in den vergangenen acht Jahren ungefähr um die Hälfte erhöht. Dennoch pausiert die Erwärmung der Luft: In den vergangenen 15 Jahren ist die bodennahe Temperatur im weltweiten Durchschnitt je nach Messreihe entweder gar nicht (laut britischem Met Office), oder um 0,05 Grad gestiegen (laut US-amerikanischem Wetterdienst). Gleichwohl fallen in diese Zeit die wärmsten Jahre seit Beginn der Messungen Mitte des 19. Jahrhunderts.

Klimamodelle hätten die Pause nicht erwartet, konstatiert der Uno-Bericht. Die Ursachen seien unklar, verschiedene Effekte etwa eine aussergewöhnliche Schwächephase der Sonne zusammen mit kühlenden Ozeanströmungen kämen in Frage. Ansonsten, so konstatiert der IPCC, hätten natürliche Einflüsse das Klima seit Mitte des 20. Jahrhunderts aber kaum verändert, ihre Wirkung liege zwischen 0,1 und -0,1 Grad. Seit 1986 Satelliten die Sonnenaktivität exakt messen, seien nur kleine Klimaeffekte ihrer kurzfristigen Aktivitätsschwankungen festgestellt worden, konstatiert der Uno-Report. Es bestehe aber Forschungsbedarf, ob die Strahlung nicht Wolken erzeugen könnte.

Das ist nicht Kangaroo Island aber fast so schön wie die White-Heaven Beach im Great Barrier Reef

Viele Naturparadiese werden untergehen. Auch das Great Barrier Reef droht, zerstört zu werden. White-Heaven Beach. Bild: GMC/Getrd Müller

Wolken sind weiterhin das grösste Klimarätsel. Den krassen Kühleffekt ihrer Schatten kennt jeder. Hohe Wolken hingegen halten Wärme in der Luft zurück, sie erwärmen die Erde. Vermutlich überwiege der Wärmeeffekt, resümiert der IPCC. Doch Wolken sind die grosse Unbekannte, sie fallen durch das Raster der Klimamodelle. Es bestehe „geringes Vertrauen“, dass Wolken angemessen simuliert werden könnten, konstatiert der Klimabericht.

Als künstliche Gegenspieler der Treibhausgase wirkten Schwefelteilchen aus Abgasen, die in den vergangenen Jahren vor allem in Asien für Smog sorgen. Die Schleier hätten die Erwärmung aber auch in den siebziger Jahren in Europa gebremst, bevor hier Schwefelfilter in den Fabriken montiert wurden.

Dass der Klimawandel weitergehe, zeige sich vor allem in den Ozeanen, die im Gegensatz zu Luft auch in den vergangenen Jahren wärmer wurden, berichtet der Uno-Klimarat. 90 Prozent der Sonnenwärme gelangt in die Meere. Die Meere hätten sich fortwährend erwärmt, stellt der IPCC fest. Messungen in den Ozeanen sind allerdings weitaus lückenhafter als an Land, zumal in grösseren Tiefen. Wärmebedingte Ausdehnung und Eisschmelze heben die Meere seit etwa 20 Jahren um drei Millimeter pro Jahr, so schnell wie zuletzt zwischen 1920 und 1950.

Umweltsmog im Ruhrpot

Unser CO2-Ausstoss wird immer höher statt geringer. Umweltsmog im Ruhrpot. Bild: GMC/action press

Eine zweite marine Bedrohung ist unsichtbar: Das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) gelangt auch in die Ozeane, wo es sich zu Kohlensäure verbindet. Der pH-Wert, ein Mass für den Säuregehalt, sei bereits leicht gefallen, die Meere würden folglich saurer, berichtet der IPCC. Muscheln, Korallen und anderen Organismen falle es deshalb wohl bereits schwerer, ihre Kalkschalen zu bilden.

Je nachdem, wie stark der CO2-Ausstoss anhalte, umso gravierender werde die künftige Erwärmung ausfallen, warnt der IPCC. Die Folgen würden „die Umwelt in einer Weise ändern, wie seit Hunderten oder Tausenden Jahren nicht geschehen“, heisst es in der Zusammenfassung des Klimareports. Diesmal wäre im Gegensatz zu früheren Klimaschwankungen allerdings eine Zivilisation von mehr als sieben Milliarden Menschen betroffen.

Die grössten Risiken sind dem Klimarat zufolge:

Wie Snowboarder klimafreundlicher durch die Alpen carven zeigt die Organisationen RideGreener

Eis und Schneeberge ade? Artkis eisfrei? Der Klimawandel machts möglich. Bild: GMC/Gerd Müller

Ein ungebremster Ausstoss von Treibhausgasen würde das Klima bis Ende des Jahrhunderts vermutlich um rund 3,7 Grad erwärmen. Es drohen mehr Hitzewellen. Der Anstieg der Meere könnte Jahrhunderte weitergehen. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts drohe ein Schwellen um 26 bis 81 Zentimeter, je nachdem, wie viel Treibhausgas die Welt wärmt, warnt der IPCC. Damit erhöht der Klimarat seine Prognose aus dem letzten Report, als er den Beitrag des Schmelzwassers der grossen Eisschilde aufgrund unsicherer Daten klein ansetzte.

Auch diesmal verbannt der IPCC Extremszenarien aus seiner Zusammenfassung. Manche Forscher glauben, dass der Rat zu vorsichtig urteile. Viele Gletscher, die auch als Trinkwasserressourcen dienen, könnten komplett verschwinden. Die Ozeane drohen saurer zu werden, Organismen würde es schwerer fallen, ihre Schalen zu bilden. Klimazonen könnten sich verschieben. In den Subtropen und angrenzenden Regionen wie am Mittelmeer dürfte es deshalb häufiger Dürren geben. In den Tropen und in mittleren Breiten wie Deutschland würde es mehr Starkregen geben.

Handlungsanweisungen gibt der Uno-Klimarat nicht. Das Gremium will lediglich den Wissensstand über das Klima darlegen. Welche Konsequenzen die Politik zieht, entscheidet sich auf Uno-Klimagipfeln, die seit 21 Jahren jährlich tagen. Der nächste findet im November in Warschau statt.

Hinweis der Redaktion: Allmynews Herausgeber Gerd M. Müller publizierte schon 1997 eine Reihe von Klimaberichten u.a. auch in der Südostschweiz und weiteren Tageszeitungen.

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Über Gerd M. Müller

Der Zürcher Foto-Journalist Gerd Michael Müller gründete vor 20 Jahren die Presse- und Bildagentur GMC Photopress. Müller arbeitet seit über 25 Jahren in der Tourismus-, Medien- und Kommunikationsbranche. Er hat über 1000 Publikationen und Reisereportagen in renommierten Medien veröffentlicht (u.a. «Welt am Sonntag», «FAZ», «FACTS», «Weltwoche», «SonntagsZeitung», «Globo», «Animan», «Reisen & Kultur-Journal», «FAZ», «Spiegel», «Süddeutsche Zeitung») und darüber hinaus auch für hochkarätige Spa- and Travel-Magazine wie «Relax & Style», «Tourbillon», «Excellence International», «World of Wellness» und «Wellness Live» gearbeitet. GMC Photopress besitzt ein umfangreiches Bildaurchiv mit rund 250'000 Bildern aus über 80 Ländern zu den Themen Lifestyle, Luxus, Beauty & Spa, Kultur, Touristische Highlights, Natur, Landschaft, Wildlife, Umwelt, Humanitäres und Soziales.
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