Lohnt sich das Risiko, für Greenpeace «den Kopf hinzuhalten»?

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Verheizt Grrenpeace ihre Aktivisten um der PR willen? Kritiker finden die ungleiche Risikoverteilung zu Lasten der Aktivisiten problematisch. © GMC/Otromundo/Vreni Müller

Verheizt Grrenpeace ihre Aktivisten um der PR willen? Kritiker finden die ungleiche Risikoverteilung zu Lasten der Aktivisiten problematisch. © GMC/Otromundo/Vreni Müller

Die Arktisschützer, die vor zwei Wochen gegen die Gazprom-Ölplattform in internationalen arktischen Gewässern protestierten und dabei von der russischen Grenzwache in Haft genommen wurden, haben viel riskiert und Greenpeace zu einem grossen PR-Schub verholfen. Für die Konsequenzen ihrer Aktionen sind sie aber selbst verantwortlich. Sie schmieren zwar das unerschrockene Image der Organisation, stehen dann aber im Regen, wenn es um die rechtlichen und finanziellen Konsequenzen ihrer Aktionen geht. Lohnt sich also das Risiko, für Greenpeace den Kopf hinzuhalten?

Die Aktivisten aus 18 Ländern, die zur Zeit in Murmansk im Gefängnis auf der Anklagebank wegen bandenmässiger Piraterie sitzen, haben hoch gepokert, als sie die russische Staatsmacht herausforderten. Sie mussten sich bewusst sein, dass Russland unzimperlich mit Regimegegnern umgeht. Sie mussten in Kauf nehmen, dass sie zwischen die Mühlsteine der russischen Justiz geraten könnten und vor Augen halten, was mit Pussy Riots und anderen System- und Putin-Gegnern geschehen war. Denn letztlich muss jeder Greenpeace-Aktivist wissen, dass er für seine Aktivitäten auf vielfälltige Art zur Rechenschaft gezogen werden kann. So müssen die Aktivistinnen also selbst eine sorgfälltige Risikoanalyse treffen, ob sich ihr EInsatz im schlimmsten Fall immer noch lohnt.

Den Beteiligten sei von Anfang an klar gewesen, dass sie ein gewisses Risiko eingingen, betonten Greenpeace-Vertreter an der Medienkonferenz. «Wir informieren unsere Aktivisten  über die Lage vor Ort und die Gefahren», sagt Kampagnenleiterin Nadine Berthel. Natürlich wird sich Greenpeace vehement für die Freilassung der Aktivisten einsetzen. Das allein garantiert weitere Publizität und Solidarität zu Gunsten von Greenpeace. Vermutlich wird Greenpeace auch die Anwaltskosten für die Prozesse zur Freilassung der Aktivisten übernehmen. Alles andere wäre zu schädlich fürs Image. Ob sie auch die Busse für die Greenpeace-Aktivisten im Basler Fussballstadion beim Uefa Spiel gegen Schalke übernimmt, ist eher ungewiss.

Putin könnte ein weiteres Exempel statuieren …

Auch wenn die russische Anklage absurd ist, wie Amnesty Internationals Russlandexperte Denis Krivosheev sagt, so sei es doch eher unwahrscheinlich, dass Russland dem Druck ausländischer Regierungen nachgebe und die Greenpeace-Aktivisten einfach wieder freilasse. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass Russland auch international ein Exempel statuieren will, welches die russische Souveränität in der Region demonstriere und zementiere, sagen andere unabhängige Beobachter.  Wie rücksichtslos  Russland seine geopolitischen und wirtschaftlichen Machtinteressen ausbaut , wird ja auch im Syrienkonflikt klar. Wie drastisch Russland innenpolitisch gegen Protestbewegungen und NGO’s vorgeht, ist längst aus zig Beispielen bestens bekannt.

… und den Machtanspruch Russlands in der Arktis zementieren

Putin gibt jedenfalls unmissverständlich zu verstehen, dass die Arktis ein untrennbarer Teil der russischen Föderation sei und das jede Einmischung von innen oder aussen unerwünscht sei. Seinen Wissenschaftler, die die Arktis als Erbe der Menschheit unter internationale Kontrolle stellen wollten, entgegegnete Putin scharf: das sei totaler Blödsinn, unpatriotische und wirtschaftlich schädlich. Diese Warnung ist etwa so deutlich, wie ein Fischkopf in Zeitungspapier eingewickelt vor der Türe gewisser Leute.

Greenpeace-Aktivisten tragen das volle Risiko. Das ist problematisch finden viele

Und damit geht die Frage zurück an Greenpeace: Wurden die Aktivisten in der Tat auf das hohe Risiko hingewiesen, war die Risikoanalyse zu oberflächlich oder zu wenig fundiert und wurden die Aktivisten  entsprechend sorgfälltig gebrieft? Nach diesem Vorfall besteht ein gewisser Handlungsbedarf bei Greenpeace und anderen Organisationen. Sie müssen zumindest dokumentieren können, dass ihre Risikoanalyse aktuell, fundiert und von den Mitarbeitern voll zur Kenntnis genommen wurden. Ansonsten lässt sich das Abschleichen durch die Hintertür nicht mehr rechtfertigen, meint ein unabhängier Beobachter.

Auch die Greenpeace-Aktivisten, die mit ihrer medial geschickt inszenierten Protestaktion während des Länderspiels in Basel einen beachtlichen Coup landeten, dürften noch zur Kasse gebeten werden, ohne das Greenpeace letztlich dafür gerade stehen müsste. Die Organisation jedenfalls lässt verlauten, sie habe nicht die Absicht, UEFA-Bussen zu zahlen, wie Greenpeace-Sprecher Yves Zenger gegenüber den Medien sagte. Greenpeace verwende seine Spendengelder lieber zum Schutz der Arktis. Das ist gut so, zeigt aber ironischerweise wie nebensächlich und austauschbar die Akteure in diesem „Ökokrieger-Spiel“ sind.  Das Risiko ist ungleich verteilt. Die Hauptlast tragen die zumeist freiwilligen Aktivisten, die nicht bei der Organisation angestellt sind. Das wäre Greenpeace zu riskant.

Aktivisten sind «Gratis-Brennstoff für die PR-Maschinerie»

Dieses Gebaren wird hinter vorgehaltener Hand durchaus kritisch bewertet, doch wagt sich niemand mit seinem Namen dafür hin zu stehen. Keiner will von der „Öko-Familie“ als Nestbeschmutzer  oder Feigling angeprangert zu werden und seine Chancen mindern, im weiteren Umfeld aktiv zu werden. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass Greenpeace als Organisation die Aktivisten als Gratis-Brennstoff für ihre PR-Maschinerie sieht. Nur der Grüne Nationalrat Daniel Fischer nimmt kein Blatt vor den Mund auch wenn er es diplomatisch ausdrückt und das Konstrukt für problematisch hält, weil die Risikoverteilung ungleich verteilt sei.

Greenpeace International weist darauf hin, dass auf der Webseite und in den Informationen steht, dass es sich bei Greenpeace-Aktionen um keinen Spaziergang handelt und die Aktivisten selbst die Verantwortung übernehmen, wie weit sie gehen wollen. Denn «nur in Einzelfällen » kann es laut Greenpeace Mediensprecher Ives Zenger vorkommen, «dass Greenpeace jemanden unterstützt ».

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