Rohstoffhandelseinnahmen verzehnfacht, 20 Milliarden-Grenze überschritten

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Beim Export von Dienstleistungen hat der Rohstoffhandel die 20 Milliardengrenze überschritten und damit den hiesigen Finanzsektor überflügelt. Die Einnahmen der Rohstoffhändler haben sich in den letzten 10 Jahren verdreifacht und übertreffen das Bruttosozialprodukt der Schweiz. Dies bilanziert die Nationalbank. Die Erklärung von Bern geht nun davon aus, dass in der Schweiz ansässige Rohstoffhändler ein Viertel des weltweiten Rohstoffhandels kontrollieren.

Die Schweizerische Nationalbak (SNB) hat zum ersten Mal den Rohstoffhandel in der Schweiz analysiert und die Ergebnisse in der Mitte August veröffentlichten Zahlungsbilanz präsentiert. Im sogenannten Transithandel (Kauf und Verkauf von Schweizer Unternehmen im Ausland) besteht dieser mit 94% fast ausschliesslich vom Rohstoffhandel. Diese Einnahmen haben sich seit 2001 von 2 auf 20 Milliarden Franken verzehnfacht und somit die Finanzbranche überrundet. Die Verkäufserlöse sind um das dreifache auf 763 Milliarden Franken gestiegen.

Die SNB führt den gewaltigen Sprung auf die gestiegenen Rohstoffpreise sowie auf den Zuzug neuer Rohstoffkonzerne und –händler zurück. Die bestehenden Unternehmen hätten ihr Wachstum kräftig ausgebaut und die Neuzuzügler hätten für weitere Volumen gesorgt. Schon 2010 hat der Rohstoffhandel damit die gebeutelte Finanzbranche überflügelt. Diese stolzen Summen wurden letztlich  von kaum mehr als  10‘000 Händlern erwirtschaftet. Im Vergleich dazu beschäftigt die Finanzbranche rund 150‘000 Personen. Zu den grössten Playern und noch vor Glencore in der obersten Liga  zählen Vitol, eine Ölhandelsfirma mit 279 Milliarden Umsatz und Trafigura mit 115 Milliarden Umsatz.

Aufgrund der neuen Zahlen geht die Erklärung von Bern (EvB) davon aus, dass die in der Schweiz  im Rohstoffhandel tätigen Firmen  rund 25 Prozent des weltweiten Rohstoffhandels abwickeln und so einen Verkaufserlös erzielen, der weit über dem Schweiz Bruttosozialprodukt liegt, welches derzeit rund 560 Milliarden Franken beträgt

Menschenrechts- und Umweltexperten fordern nun die Schweiz auf, ebenso restriktive Transparenz-Gesetze anzuwenden, wie die ameriksanische Börsenaufsicht (SEC) vor kurzem beschlossen hat. Darin werden die US-Bergbau- und Energiekonzerne dazu verpflichtet, detaillierte Auskünfte über Zahlungen an Regierungen und Regimes preiszugeben. Lesen Sie dazu folgende Berichte:

„US-Rohstoffkonzerne zu mehr Transparenz verpflichtet“

„Gefährliche Rohstoff-Geschäfte der Schweiz“

 

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Über Gerd M. Müller

Der Zürcher Foto-Journalist Gerd Michael Müller gründete vor 20 Jahren die Presse- und Bildagentur GMC Photopress. Müller arbeitet seit über 25 Jahren in der Tourismus-, Medien- und Kommunikationsbranche. Er hat über 1000 Publikationen und Reisereportagen in renommierten Medien veröffentlicht (u.a. «Welt am Sonntag», «FAZ», «FACTS», «Weltwoche», «SonntagsZeitung», «Globo», «Animan», «Reisen & Kultur-Journal», «FAZ», «Spiegel», «Süddeutsche Zeitung») und darüber hinaus auch für hochkarätige Spa- and Travel-Magazine wie «Relax & Style», «Tourbillon», «Excellence International», «World of Wellness» und «Wellness Live» gearbeitet. GMC Photopress besitzt ein umfangreiches Bildaurchiv mit rund 250'000 Bildern aus über 80 Ländern zu den Themen Lifestyle, Luxus, Beauty & Spa, Kultur, Touristische Highlights, Natur, Landschaft, Wildlife, Umwelt, Humanitäres und Soziales.
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