Schweizer Rohstofffirmen in verbrecherischen Korruptionsskandal verwickelt

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Genfer und Zuger Ölhändler sind in Nigeria in einen gigantischen Betrugsfall verwickelt. Nigeria fordert von 71 Ölmultis 2,5 Millarden Franken zurück. Bern leistet Rechtshilfe in 13 Fällen einer Strafanklage. 

Der Bericht des früheren nigerianischen Anti-Korruptionschefs Nuhu Ribadu lässt aufhorchen. Schwizer Firmen wie Addax, Glencore, Trafigura und Vitol sowie weitere, kleinere Ölfirmen in Zug und in Genf stehen auf der Liste der multinationalen Firmen, die im Schmiergeld-Skandal eifrig mitmachten und eine tragende Rolle spielten. Gemäss dem Ribadu-Bericht sicherten sich die Rohstoffkonzerne gegen Schmiergelder Förderlizenzen und bezogen den Rohstoff zu Preisen, die weit unter dem Weltmarktpreis liegen. Korrupte Beamte und kriminelle Geschäftsleute sahnten bei den Schmiergeldzahlungen kräftig ab.

13 Ölfirmen mit Sitz in der Schweiz angeklagt

Im Zentrum des Skandals stehen das staatliche nigerianische Ölunternehmen NNPC und die Aufsichtsbehörde PPPPA. Sie zweigten Gelder in Millionenhöhe in ihre eigenen Taschen ab.Darüber hinaus kam es zu einem Diebstahl-Domino-Effekt, der so ablief, wie der Untersuchungsbericht zeigt.Firmen wie Vitol und Trafigura hätten ihre Fracht regelmässig in den Nachbarstaaten Benin und Togo  von kleineren Schiffen und dann auf offener See in grössere Tanker verladen. Damit kamen die Händler in den Besitz internationaler Importpapiere und damit hatten sie Zugang zu Devisen bei der nigerianischen Zentralbank.

„Die Verladeaktion auf offenere See stellt einen massive, illegale, internationale Handelsaktivität, heisst es im Ribadu-Bericht. Der parlamentarische Untersuchungsbericht sricht von einem geheimen Einverständnis zwischen Multis und nigerianischen Behörden und Geschäftsleuten. Die Zahl der Investitionstöpfe liess die Zahl der Importeure von 2006 bis 2011 von sechs auf 140 anschwellen. Gegen 13 ÖlFirmen mit Sitz in der Schweiz hat die nigerianische Justiz Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft eingereicht und verlangt Rechtshilfe von Bern.

Die Schweiz handelt sich erneut einen schlechten Ruf ein, als Hort und Drehscheibe krimineller Machenschaften multinationaler Konzerne mit milliardenschweren  Korruptionsskandalen und der hierzulande ansässigen Rohstoffkonzerne.

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Über Gerd M. Müller

Der Zürcher Foto-Journalist Gerd Michael Müller gründete vor 20 Jahren die Presse- und Bildagentur GMC Photopress. Müller arbeitet seit über 25 Jahren in der Tourismus-, Medien- und Kommunikationsbranche. Er hat über 1000 Publikationen und Reisereportagen in renommierten Medien veröffentlicht (u.a. «Welt am Sonntag», «FAZ», «FACTS», «Weltwoche», «SonntagsZeitung», «Globo», «Animan», «Reisen & Kultur-Journal», «FAZ», «Spiegel», «Süddeutsche Zeitung») und darüber hinaus auch für hochkarätige Spa- and Travel-Magazine wie «Relax & Style», «Tourbillon», «Excellence International», «World of Wellness» und «Wellness Live» gearbeitet. GMC Photopress besitzt ein umfangreiches Bildaurchiv mit rund 250'000 Bildern aus über 80 Ländern zu den Themen Lifestyle, Luxus, Beauty & Spa, Kultur, Touristische Highlights, Natur, Landschaft, Wildlife, Umwelt, Humanitäres und Soziales.
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4 Kommentare zu Schweizer Rohstofffirmen in verbrecherischen Korruptionsskandal verwickelt

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