Sri Lanka: Luxushotels und Ökoresorts „auf geraubtem Grund“

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Zu Sri Lanka's Sehenswürdikeiten zählen die Teeplantagen auf über 1800 Meter Höhe in Nurya Elyia. Auch hier wird die tamilische Bevölkerung ausgenutzt. Bild: GMC Photopress/Gerd Müller

Zu Sri Lanka’s Sehenswürdikeiten zählen die Teeplantagen auf über 1800 Meter Höhe in Nurya Elyia. Auch hier wird die tamilische Bevölkerung ausgenutzt. Bild: GMC Photopress/Gerd Müller

Sri Lanka’s Regierung raubt der Bevölkerung ihr Land und enteignet sie ohne Entschädigung, um Tourismusprojekte voranzutreiben, wie Amnesty International belegt.Als Werkzeug dient ihr dabei die überdimensionierte Armee.

Nach dem fast drei Jahrzehnte andauernden Bürgerkrieg, der erst vor kurzem ein äusserst blutiges Ende gefunden hat, unternimmt Sri Lanka’s Regierung grosse Anstrengungen den Tourismus wieder anzukurbeln und ausländische Hotelketten ins Land zu holen. Mit Erfolg: 2010, ein Jahr nach Ende des ethnischen Konflikts, ist die Zahl der ausländischen BesucherInnen um fast 50 % gestiegen. 2011 haben nach Angaben der staatlichen Tourismusbehörde knapp 850’000 die „Perle Asiens“ besucht.

Die Regierung hat landesweit 15 Tourismuszonen ausgewiesen, in denen lokale und internationale Konzerne Feriengebiete und Hotelresorts entwickeln können. Hotelkonzerne wie Shangri-La, Sheraton und Mövenpick sind auf den fahrenden Zug aufgestiegen und bauen gerade Luxushotels in mehreren Regionen der Insel am Zipfel Indiens.

Von Weltbank unterstützte Tourismusentwicklung beschleunigt Landraub

Dank diesen Tourismusprojekten und den neuen Hotelketten soll die Zahl der Touristen bis 2016 auf über 2,5 Mio. Besucher ansteigen. Die Weltbank unterstützt die „nachhaltige Tourismusentwicklung in Sri Lanka mit 16 Millionen Franken. Doch die von der Regierung forcierte Tourismusentwicklung hat auch ihre Schattenseiten. Es beschleunigt den Landraub, der in Sri Lanka und vielen anderen Ländern Asiens immer mehr zum Problem wird, wie Amnesty International schreibt.

Bereits 2011 hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) von einem Fall im Nordwesten des Landes berichtet. Ein Joint Venture mit Schweizer Beteiligung hatte in der Kalpitya-Region eine Insel geleast, um dort ein Luxu-Ökoresort zu bauen. Den Leasingvertrag hat kein geringerer als der Bruder des amtierenden Regierungspräsidenten, Basil Rajapaksa, MInister für wirtschaftliche Entwicklung, ausgearbeitet. Bald wurde jedoch bekannt, dass die Insel seit Menschengedenken von den hier ansässigen Fischern saisonal besiedelt werden und Rajapaska die Fischer einfach enteignet hat.

Die Armee wird zur Enteignung vorgeschoben. Der Streit eskaliert

Dies ist kein Einzelfall. Hunderte von Fischern dieser Region berichteten, dass sie ohne Entschädigung enteignet wurden oder dass das Militär Sperrzonen eingerichtet habe, die sie nicht mehr betreten dürfen. Die Armee speilt bei der Enteignung eine wichtige Rolle. Die Regierung hat nach dem Sieg über die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) die Zahl der Militärstützpunkte nicht etwa verringert, sondern massiv ausgebaut. Sri Lanka’s Streikräfte verfügen heute über ein Heer von 400’000 Mann. Dabei ist die Insel gerade Mal eineinhalb Mal so gross wie die Schweiz.

Der Streit zwischen der zumeist tamilischen Bevölkerung und der Armee eskaliert immer mehr. Erst vor kurzem haben aufgebrachte Bauern in Point Pedro, die Gutachter der Regierung vertrieben. Tausende von Anwohnern der jahrzehntelang hart umkämpften Insel Jaffna haben gegen die Regierung und das Militär geklagt, als die Armee mehrere tausend Hektar Land konfiszierte.

Die Schweiz schafft Flüchtlinge aus, die in Sri Lanka gefoltert werden

In der Schweiz leben knapp 50’000 Menschen aus Sri Lanka, die vor dem fast 30jährigen Kriegg flüchten mussten. Die meisten von ihnen haben einen geregelten Aufenthaltsstatus oder sind eingebürgert.

Das Ende des Krieges in Sri Lanka hat sich auf die Asylpraxis der europäischen Ländern und der Schweiz ausgewirkt. Hierzulande haben das Bundesamt für Migration (BFM)  gestützt vom Bundesverwaltungsgericht die Ausschaffungspraxis verschärft. Das BFM ist daran den Status von rund 1860 Menschen aus Sri Lanka mit einer „vorläufen Aufenthaltsbewilligung“ zu überprüfen und diese wo möglich wieder auszuweisen und zurückzusenden. Das sieht dann so aus:

Es ist sechs Uhr morgens, irgendwo im Kanton St. Gallen: Polizisten wecken eine tamilische Familie mit zwei kleinen Kindern. Sie geben der Familie kurz Zeit zum Packen und schaffen sie dann direkt nach Sri Lanka aus. Dort angekommen, wird der Vater sogleich von der Familie getrennt, verhaftet und verhört. Dies schreibt Amnesty International auf Ihrer Webseite und dokumentiert den Vorfall.

Zwar ist der Krieg in Sri Lanka zwischen Armee und Tamil-Tigern schon seit Jahren vorbei, doch der Konflikt ist bei Weitem nicht gelöst. Hinter der Kulisse der exotischen Ferieninsel verbirgt sich eine Realität, in der Folter und Verfolgung immer noch Alltag sind.

Während des Krieges fanden zahlreiche Menschen aus Sri Lanka in der Schweiz Schutz. Aber für viele soll das nun vorbei sein. Zurzeit sind Hunderte von Menschen in der Schweiz bedroht, nach Sri Lanka ausgeschafft zu werden. Obwohl dokumentiert ist, dass Flüchtlinge nach ihrer Rückkehr gefoltert und misshandelt wurden.

So helfen Sie Amnesty International, damit sich Rückschaffungen im Zweifelsfall nicht mehr wiederholen:  

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Über Gerd M. Müller

Der Zürcher Foto-Journalist Gerd Michael Müller gründete vor 20 Jahren die Presse- und Bildagentur GMC Photopress. Müller arbeitet seit über 25 Jahren in der Tourismus-, Medien- und Kommunikationsbranche. Er hat über 1000 Publikationen und Reisereportagen in renommierten Medien veröffentlicht (u.a. «Welt am Sonntag», «FAZ», «FACTS», «Weltwoche», «SonntagsZeitung», «Globo», «Animan», «Reisen & Kultur-Journal», «FAZ», «Spiegel», «Süddeutsche Zeitung») und darüber hinaus auch für hochkarätige Spa- and Travel-Magazine wie «Relax & Style», «Tourbillon», «Excellence International», «World of Wellness» und «Wellness Live» gearbeitet. GMC Photopress besitzt ein umfangreiches Bildaurchiv mit rund 250'000 Bildern aus über 80 Ländern zu den Themen Lifestyle, Luxus, Beauty & Spa, Kultur, Touristische Highlights, Natur, Landschaft, Wildlife, Umwelt, Humanitäres und Soziales.
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