„Vom Unterwasserparadies zur Lärmhölle“

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Die Meeressäuger werden durch den ohrenbetäubenden Lärmpegel von Handelsschiffen, Militärsonaren und Druckluftkanonen der Rohstoffbranche tausendfach in den Tod getrieben. Im Bild: Walbeobachtung in der Hervey Bay vor Fraser Island. © GMC Photopress/Gerd Müller

Die Meeressäuger werden durch den ohrenbetäubenden Lärmpegel von Handelsschiffen, Militärsonaren und Druckluftkanonen der Rohstoffbranche tausendfach in den Tod getrieben. Im Bild: Walbeobachtung in der Hervey Bay  © GMC

Militärsonare verursachen Schallpegel so laut wie Weltraumrakteten und moderne Frachter erreichen Lautstärken von Düsenjets, sagt Ocean Care. Dies bewirke, dass jährlich  hunderte von Walen und Tümmlern elend verenden oder stranden und dort zu Grunde gehen. Für die empfindlichen Meeressäuger mit ihrem sensiblen Gehör und ihrem akustischen Orientierungssinn ist dies eine Katastrophe.

Wer im Meer überleben will, braucht ein gutes Gehör und verständigt bzw. orientiert sich über Laute, die von Schallwellen als Echo zurückgeworfen wird und den Meeressäugern als Orientierungshilfe dient. So gelingt es Walen beispielsweise auch nachts bei völliger Dunkelheit, einzelne Fische aus einem Schwarm von tausenden von Sardinen herauszufischen. Aber auch andere Fische haben ein feines Gehör.

Rushhour auf hoher See: 220’000 Gibraltar-Passagen jährlich

Heute sind drei Mal mehr Handelsschiffe unterwegs als noch von 75 Jahren. Rund 220‘000 Schiffe jährlich passieren allein die Strasse von Gibraltar. In diesem undurchsichtigen akustischen Nebel kommt es immer wieder zu Zusammenstössen zwischen Schiffen und Walen, da sich diese in der Unterwasser-Lärmhölle nicht mehr zurecht finden. Auch ihre Beutetiere flüchten vor dem Lärm, sodass die Wale zusätzlichem Stress ausgesetzt sind, da sich ihre Nahrung davon macht.

Das fatale an den modernen, immer schnelleren Schiffen sind die Drehgeschwindigkeiten der Propellerschrauben, die zu einem Vakuum  führen, dass immer wieder in sich zusammenfällt, wobei ein ohrenbetäubender Knall entsteht, der den Schallpegel ständig wie ein Bombardement ansteigen lässt. Man kann sich dass so vorstellen, wie wenn wir täglich einem Züri-Fäscht mit Feuerwerk ausgesetzt sind.

Die Militärsonare sind ein echter Killer für die Wale und Delphine

Noch gefährlicher wird es nach Angaben von Ocean Care, wenn das Militär ihre Sonaranlagen einschalten. Dann befinden sich Wale und Delphine in akuter Lebensgefahr. Die Wucht der erzeugten Schallwellen ist so gross, dass die Meeressäuger in Panik geraten und rasch aufsteigen, wodurch ihnen die sogenannte Taucherkrankheit droht. Durch den plötzlichen Druckabfall bilden sich kleine Gasbläschen im Blut. Diese verstopfen die Blutgefässe oder blockieren die Blutversorgung des Gehirns komplett. Die Wale treiben orientierungslos im Wasser und sterben zumeist auf hoher See unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Einzelne Tiere in Küstennähe werden ans Ufer gespült und verenden dort. Erdrückt vom eigenen Gewicht. Auch im Mittelmeerraum sorgen Sonartests immer wieder für Walstrandungen.

Auch die Rostoffbranche beschallt das Meer mit einem Bombenlärmteppich

Eine weitere Bedrohung der Meeressäuger sind auch die wachsende Anzahl von Offshore-Rohstoffförderungen. Um neue Fördergebiete auszumachen, verwenden die Ölkonzerne sogenannte Airguns. Ihre Schiffe ziehen reihenweise Druckluftkanonen mit sich, mit denen Sie alle 10 Sekunden eine Explosion auslösen, die  so stark ist, dass sie mehrere tausend Meter unter die Meeresoberfläche spürbar ist. Hochsensible Messgeräte registrieren das Echo, welches in einem Computermodel zeigt, ob auf dem Meeresgrund Öl vorhanden ist. Oft wird der Meeresgrund so wochenlang mit Schall bombardiert. Die Folgen sind gravierend. Ganze Regionen werden so von Unterwassertieren entvölkert. Die verschüchterten Tiere fliehen vor dem Bombardement und suchen sich andere Lebensräume.

Ganze Unterwasserregionen entvölkert

Unter den Folgen des Unterwasserlärms leiden nicht nur die Fische sondern auch die Fischer und die Konsumenten. In England und Norwegen wurde beobachtet, dass die Fangraten nach Rohstoffsondierungen fast auf die Hälfte sanken. Dies bedeutet für die Fischer eine ernsthafte Gefährdung ihrer Existenz. Und für den Konsumenten eine weitere Verknappung und Verteuerung des Speisezettels. Denn durch den Lärm und Stress sind auch die Fortpflanzungsmechanismen gestört.

Ocean Care’s wissenschaftliche Mitarbeiterin und Meeresbiologin Lindy Weilgart ist überzeugt, dass es auch anders ginge. Die Schiffsbauer könnten leisere Schiffe bauen, so wie die Airline-Industrie dies auch tat. Auch das Militär könnte sich in sogenannte Meereswüsten mit wenig Fischreichtum zurückziehen, um ihre Sonartests zu machen. «Die Luftwaffe würde ja auch nicht den Pausenplatz für ihre Schiessübungen benutzten», sagt Weilgart ironisch. Und die Rohstoffbranche hätte nach Angaben der Meeresbiologin ebenfalls Alternativen und könnte statt Schall Vibrationsverfahren, die früher an Land genutzt wurden, dank neuer Technik auch im Meer einsetzen. Diese Technik sei rund 1000 Mal leiser, als die Luftdruckkanonen.

Ocean Care bereitet dieses Jahr eine weltweite Kampagne zur Eindämmung des Unterwasserlärms vor. Schon jetzt kann man sich mit seiner E-Mail Adresse bei silentoceans.org registrieren und der weltweiten Tierschutzbewegug anschliessen. Weitere Info’s erhalten Sie via www.ocencare.org.

Ocean Care, Oberndorfstrasse 16, Postfach 372, CH-8820 Wädenswil, info@oceancare.org.  

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Über Gerd M. Müller

Der Zürcher Foto-Journalist Gerd Michael Müller gründete vor 20 Jahren die Presse- und Bildagentur GMC Photopress. Müller arbeitet seit über 25 Jahren in der Tourismus-, Medien- und Kommunikationsbranche. Er hat über 1000 Publikationen und Reisereportagen in renommierten Medien veröffentlicht (u.a. «Welt am Sonntag», «FAZ», «FACTS», «Weltwoche», «SonntagsZeitung», «Globo», «Animan», «Reisen & Kultur-Journal», «FAZ», «Spiegel», «Süddeutsche Zeitung») und darüber hinaus auch für hochkarätige Spa- and Travel-Magazine wie «Relax & Style», «Tourbillon», «Excellence International», «World of Wellness» und «Wellness Live» gearbeitet. GMC Photopress besitzt ein umfangreiches Bildaurchiv mit rund 250'000 Bildern aus über 80 Ländern zu den Themen Lifestyle, Luxus, Beauty & Spa, Kultur, Touristische Highlights, Natur, Landschaft, Wildlife, Umwelt, Humanitäres und Soziales.
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