Wie Agro-Multis, Drogenbarone und Pentagon lateinamerikanische Regierungen stürzen

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Die Zeitschirft «antidotincl.», die von SOLIFONDS herausgegeben und der WoZ beigelegt wird, wirft Licht auf den „neuen Putschismus gegen den Umbruch in Lateinamerika“ und das Schweigen hiesiger Medien. Bei den Putschen in Paraguay und zuvor in Honduras zeigt sich, wie eng Agro-Multis, Drogenbarone und das Pentagon zusammenarbeiten, um linke Regimes zu stürzen, Gewerkschaften und Bodenreformen auszuschalten, um feudalistische, US-elitäre und mafiöse Strukturen aufrechtzuerhalten.

Im März ermunterte die US-Botschafterin in Asuncion, Liliane Ayale, zum Diner geladene paraguyanische Politiker im Beisein amerikanischer Generäle die Perspektiven zur Absetzungs des amtierenden Präsidenten Fernando Lungo zu erötern. Kein Zufall, sondern Teil der US-Strategie, Latein- und Südamerika zu kontrollieren und ihre Hegemonialansprüche im Südkontinent auszuweiten.

Ein weiteres Beispiel: Die staatliche Entwicklungsagentur USAID betätigt sich auf dem Gebiet der Schulung und Koordinierung verschiedener Ministerien und Sicherheitsapparate nebst Paraguay auch in Ländern wie Bolivien und Ecuador, wo Personal- und Sicherheitsfragen in den jeweiligen Ministerien von den eingenisteten US-BeraterInnen entschieden werden.

Interessanterweise wurden in Paraguay nun genau jene sechs Parteien zum Thema Konsensfindung von einer NGO-Anenne geschult, die sich danach am Express-Putsch gegen Lungo beteiligten, wie die Zeitung ABC kolportierte.

Lungo’s Wiederstand gegen die Ausbeutung führte zum Putsch der USA

Lungo’s Regierung zum Verhängnis wurde drei Dinge: dass sie sich gegen die entfesselte Einführung von Gentechsaaten, wie wir sie jetzt erleben, wehrte. Weil sie illegale Praktiken des US-Unternehmens Cresent Oil untersuchte und sich gegen eine Bewilligung der desaströsen Aluminium-Hütte des kanadischen Multis Rio Tinto Alcan stellte.

In seiner Analyse des Sturzes von Lungo auf alainet.org ging kürzlich der zurückgetretene unasur-Sekretär Samuel Pinheiro auf die US-Strategie ein, den Südkontinent über bilaterale oder regionale Freihandelsabkommen in ihre hegemoniale Grossraumzone einzubinden. Dabei haben die USA primär die Energiereserven im Visier. Der Putsch zahlt sich für die USA bereits aus. Mit ihm hat die Rechte wieder die Kontrolle über die Ressourcen übernommen. Sie kann nun munter mit der Ausbeutung des Kontinents auf Kosten der Bevölkerung, Menschenrechte und Umwelt weitfahren.

Kein Wunder ist der Ölmulti Dahava Oil, im Besitz von Joseph Goldstein, «der Regierung von Paraguay sehr dankbar, dass er die Explorations- und Förderrechte für Öl und Gas über 82‘000 Quadratkilometer in Chaco erhalten hat», heisst es in einem Dankesschreiben von Dahava Oil. Gleichzeitig hat der Multi auch noch 6 Millionen Hektaren im Becken des Parana im Südosten Paraguays erhalten, wo ebenfalls grosse Ölvorkommen vermutet werden.

Paraguay ist ein Land von kriminellen Grossgrundbesitzern

Paraguay hat einen feudale Landstruktur, die während der Stroessner-Ära aber auch danach in vermindertem Mass fortgeführt wurde. Der Grossteil des landwirtschaftlich produktiven Landes entfällt auf einige wenige Grossbesitzer. Dabei geht es hauptsächlich um Monokulturen wie Soja und Baumwollplantagen, die im Dienst von Agrarkonzernen wie Monsanto, Cargill oder dem Schweizer Multi Syngenta stehen. Rund ein Viertel der landwirtschaftlichen Anbaufläche ist im Besitz ausländischer, zumeist brasilianischer Grossgrundbesitzer. Ihnen stehen rund 350‘000 Kleinbauern hilflos gegenüber. Über 100‘000 Bauernfamilien sind landlos. Die Strategie der Rechten Putschisten ist klar: Nicht um Ernährungssicherheit und um kleinräumige Selbstversorgerwirtschaft geht es ihnen, sondern um maximale Profite im Millionengeschäft mit dem Gentech-Saatgut.

Welch miese Rolle Drogenbarone und das Pentagon spielen, erfahren Sie in einer Woche.

Allmytraveltips.ch dankt den Autorin Yvonne Zimmermann und Dieter Drüssel vom Zentralamerika Sekretariat für Ihre Recherchen und Berichte, die in der der «WoZ» (www.woz.ch)  beigelegten Zeitschrift «antidotincl.» No. 13, vom August 2012  viel ausführlicher und detaillierter beleuchtet werden.

 

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Herausgeber: SOLIFONDS

Über Gerd M. Müller

Der Zürcher Foto-Journalist Gerd Michael Müller gründete vor 20 Jahren die Presse- und Bildagentur GMC Photopress. Müller arbeitet seit über 25 Jahren in der Tourismus-, Medien- und Kommunikationsbranche. Er hat über 1000 Publikationen und Reisereportagen in renommierten Medien veröffentlicht (u.a. «Welt am Sonntag», «FAZ», «FACTS», «Weltwoche», «SonntagsZeitung», «Globo», «Animan», «Reisen & Kultur-Journal», «FAZ», «Spiegel», «Süddeutsche Zeitung») und darüber hinaus auch für hochkarätige Spa- and Travel-Magazine wie «Relax & Style», «Tourbillon», «Excellence International», «World of Wellness» und «Wellness Live» gearbeitet. GMC Photopress besitzt ein umfangreiches Bildaurchiv mit rund 250'000 Bildern aus über 80 Ländern zu den Themen Lifestyle, Luxus, Beauty & Spa, Kultur, Touristische Highlights, Natur, Landschaft, Wildlife, Umwelt, Humanitäres und Soziales.
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