Agro-Wissenschaftler neigen dazu, Gentech zu verharmlosen

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Gentechmoratorium: „Leserbrief/Replik von Martin Schmid, Public Eye on Science, auf den Tages-Anzeiger-Bericht „Forscher halten Gentechpflanzen für ungefährlich.“

Martin Schmid hält dagegen, das in den USA schon fünf Millionen Hektar Landwirtschaftsland unbebaubar ist, weil die herbizit-resistenten Superunkäuter davon Besitz genommen hätten; dass die Erträge weltweit sinken und dass in Argentinien, Brasilien und Venezuela (Soja), aber auch in den USA und in Kanada (Mais und Raps), in Indien (Baumwolle) und auf den Phippinen (Reis) die eingesetzte Menge Agrochemikalien doppelt so hoch sei. Imense Mais-Ernteeinbussen habe man in Mexico schon vor mehr als zehn Jahren beobachten können, nach dem der dort angepflanzte „Terminator-Mais“ zur Keimunfähigkeit des übrigen Saatgutes geführt hätten.

Eine Pflanze, die Millionen von Jahre lang von der Natur perfektioniert und danach 10000 Jahre vom Menschen auf natürliche Weise weitergezüchtet wurde, darf nun von einem privaten Unternehmen zu 0,000001 Prozent verändert und patentiert werden. Durch Monopole die Welt beherrschen, sei das Ziel dieser Firmen, nicht etwa die Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Und da einer der grössten Agrochemiefabriken der Welt in der Schweiz steht, gehe uns die Verlängerung des Gentechmoratorium alle etwas an.

Der Industrie gelingt es, die Forschungspolitik erheblich zu beeinflussen

Auch die ETH-Agrarökologin Angelika Hilbeck widerspricht ihren Kollegen, die nach der Studie des Nationalen Forschungsprogramm 59 zum Schluss kamen, Gentechpflanzen seien für die Umwelt nicht gefährli9cher als konventionelle Pflanzen. Hilbeck kritisiert in der Zeitschrift „Saldo“ Nr. 14 vom 12. Sept., dass die Forscher voreilige und viel weitreichendere Schlussfolgerungen zogen, als die Daten im Bericht hergeben. Die Studie habe keine Aussagen zu den Auswirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen auf die Gesundheit von höheren Tieren und Menschen gemacht.

«Unsere Forschergruppe hat beispielsweise festgestellt, dass das in gentechnisch verändertem Mais enthaltene BT-Toxin die Sterblichkeit von Maikäferlarven erhöht. Andere Gefahren wurden noch nicht weiter untersucht. Da stehen wir erst ganz  am Anfang von Langzeitstudien». Auf die Frage, wie es zu so unterschiedlichen Aussagen kommen könne, sagt Hilbeck, dass es quasi zwei Denkschulen in der Wissenschaft gebe. Die eine setzt den Bewertungsrahmen für Risiken eng und jenen für den Nutzen sehr breit. Die anderen, zu der sich Hilbeck zählt, will beides unabhängig prüfen.

Doch dafür sind die Mittel begrenzt, denn der Industrie ist es gelungen, mit stark vereinfachten Nachrichten die Forschungspolitikund -organisationen  in der Schweiz in der EU und in den USA zu beeinflussen. Studien zur Sicherheit, seien meistens eingebettet in Technologie-Entwicklungsprogramme, bei der die Sicherheitsforschung nur ein sehr kleiner Betrag entfalle. «Daher ist klar, dass sie der Entwicklung hinterherhinkt», betont Hilbeck.

Zudem bestimmen Agro-Konzerne wie Monsanto oder Syngenta, wer mit ihrem gentechnisch veränderten Material forschen darf. Das sind nur eine wenige, handverlesene Wissenschaftler, die mit den Konzernen ein schriftliches Publikations- und Mitspracherecht eingingen. «Solche Forschung ist nicht unabhängig», bekräftig Hilbeck gegenüber der Konsumentenzeitschrift „Saldo“ und fordert den Staat dazu auf, «die Hersteller dazu zu zwingen, dass genverändertes Material an öffentliche Einrichtungen für sicherheitsrelevante Abklärungen weiterzugeben».

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Über Gerd M. Müller

Der Zürcher Foto-Journalist Gerd Michael Müller gründete vor 20 Jahren die Presse- und Bildagentur GMC Photopress. Müller arbeitet seit über 25 Jahren in der Tourismus-, Medien- und Kommunikationsbranche. Er hat über 1000 Publikationen und Reisereportagen in renommierten Medien veröffentlicht (u.a. «Welt am Sonntag», «FAZ», «FACTS», «Weltwoche», «SonntagsZeitung», «Globo», «Animan», «Reisen & Kultur-Journal», «FAZ», «Spiegel», «Süddeutsche Zeitung») und darüber hinaus auch für hochkarätige Spa- and Travel-Magazine wie «Relax & Style», «Tourbillon», «Excellence International», «World of Wellness» und «Wellness Live» gearbeitet. GMC Photopress besitzt ein umfangreiches Bildaurchiv mit rund 250'000 Bildern aus über 80 Ländern zu den Themen Lifestyle, Luxus, Beauty & Spa, Kultur, Touristische Highlights, Natur, Landschaft, Wildlife, Umwelt, Humanitäres und Soziales.
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