Züri-Multimobi: Besucherandrang zeugt vom Interesse der Bevölkerung an Umweltfragen

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Grüne Luftballons reichen nicht, um vom weit abgeschlagenen Weg zur 2000 Watt Gesellschaft auf den (umweltge-)rechten und klimafreundlichen Pfad zurückzukehren. Bild: GMC Photorpess

Grüne Luftballons reichen nicht aus, um vom weit abgeschlagenen Weg zur „2000 Watt Gesellschaft“ wieder auf den (umweltge-)rechten und klimafreundlichen Pfad zurückzukehren. Bild: GMC Photopess

Gestern gingen die Aktionstage Zürich Multimobil zu Ende. Zum 14. Mal machten sie auf eine umweltfreundliche Mobilität aufmerksam. Höhepunkte waren das Filmfestival und die belebte autofreie Innenstadt: Am Sonntag kamen mehrere zehntausend Besucher. Sie nutzten die Rikscha-Taxis und eTukTuks, fuhren Twikes und E-Bikes Probe oder genossen die gut besuchten Strassencafés und den Festbetrieb bei schönstem Herbstwetter.

Filmfestival, Führungen zu Fuss und Veranstaltungen rund ums Velo und Tram waren gut besucht. Am Sonntag dominierten in der Innenstadt Velofahrerinnen, Fussgänger und Fussballspielende, statt Autos zirkulierten Rikscha-Taxis und eTukTuks. SUI_Zuerich2013Multimobiltag1869Die Gutscheine für die beliebten umweltfreundlichen Transportmittel, den Lieferservice von Züriwerk und den Velostadtplan waren begehrt. Sie sind noch ein Jahr gültig. Mit dem Velo unterwegs zu sein, sei praktisch und schnell, so der allgemeine Tenor der Besucherinnen und Besucher an Zürich Multimobil. Die Aktionstage Zürich Multimobil werden seit 2000 anlässlich der europäischen Mobilitätswoche im September durchgeführt. Sie informieren über die Belastungen des motorisierten Verkehrs und zeigen das Engagement der Stadt Zürich.

Acht Jahre Zürcher Mobilitätsstrategie – wie wird sie umgesetzt?

Seit 2007 werden die Standberichte alle zwei Jahre durch die Projektleitenden erstellt, die wiederum die Arbeitsgruppen einbeziehen, die bereits bei der Erarbeitung der Teilstrategien beteiligt waren. SUI_Zuerich2013Multimobiltag1850Die Erarbeitung der Standberichte wird durch die Arbeitsgruppe Mobilitätsstrategie (AGM) begleitet und von der strategischen Führung (Delegation für stadträumliche Fragen, DsF) genehmigt. Am 9. Mai 2001 setzte der Stadtrat die aktuelle Mobilitätsstrategie als verkehrspolitische Grundlage für die Stadt Zürich fest. Sie basiert auf den Grundsätzen der Nachhaltigkeit. In der Zeit bis zum Frühjahr 2005 erfolgte eine Konkretisierung in 18 themenbezogenen Teilstrategien, in welchen Ziele formuliert wurden.

Die Standberichte dienen dem periodischen Monitoring der einzelnen Teilstrategien. Dabei wird jeweils die Ausgangslage den veränderten Rahmenbedingungen angepasst, die Ziele ggf. aktualisiert und der Stand bez. der Umsetzung der Massnahmen aufgezeigt. SUI_Zuerich2013Multimobiltag1928Wichtig ist das Fazit, das eine abschliessende Bewertung enthält und den möglichen Handlungsbedarf sowie das erwartete Optimierungspotenzial für die nächsten Jahre aufzeigt.

Verschiedenen Zielgruppen stehen spezifische Instrumente zur Überprüfung der Umsetzung zur Verfügung. Die strategische Führung benötigt einen Überblick über den Stand der Umsetzung und eine Basis zur Festsetzung zukünftiger verkehrspolitischer Leitlinien und Massnahmen, die Projektleitenden ein Instrument, das ihnen bei der täglichen Arbeit hilft, das Gedankengut der Mobilitätsstrategie in den Projekten zu berücksichtigen.

Das zusammenfassende «Dachpapier» vom 7. Sept. 2005 definiert acht übergeordnete Prinzipien, die bei städtischen Mobilitätsprojekten zu beachten sind.

Mobility ist ein Meilenstein für die Nutzung von ÖV und Erschliessung der letzten Meilen im Stadtverkehr. Bild: GMC

Mobility ist ein Meilenstein für die Nutzung von ÖV und Erschliessung der letzten Meilen im Stadtverkehr. Bild: GMC

Je nach Fokus und Zielgruppe stehen drei Instrumente zur Überprüfung der Umsetzung der Mobilitätsstrategie zur Verfügung. Ebenfalls periodisch, alternierend zu den Standberichten (aber alle 4 Jahre – 2008, 2012, etc.) wird das strategische Controlling der Mobilitätsstrategie anhand von Leitprojekten (WICO) durchgeführt. Mit diesem Instrument wird überprüft, ob die städtischen Mobilitätsprojekte die Zielsetzungen der städtischen Mobilitätsstrategie erfüllen oder ob Lücken bestehen. Bei Handlungsbedarf können daraus Massnahmen für künftige Mobilitätsprojekte abgeleitet werden.

Die Erkenntnisse aus WICO fliessen in die Standberichte ein. WICO richtet sich ebenfalls an die strategische Führung und dient ihr bei der Entscheidungsfindung bezüglich Mobilitätsfragen. SUI_Zuerich2013Multimobiltag1815Die Methode wurde im 2008 von VertreterInnen der Dienstabteilungen TAZ (lead), DAV, VBZ entwickelt und von der DsF positiv zur Kenntnis genommen. Für jedes der ausgewählten 22 Leitprojekte, welche die Vielfalt der Mobilitätsprojekte in der Stadt Zürich widerspiegeln (Bau- und Nicht-Bauprojekte), wurde im Rahmen von Interviews mit den Projektverantwortlichen der spezifische Beitrag an die Mobilitätsprinzipien und –ziele bestimmt. Die Gesamtbeurteilung über alle Leitprojekte zeigt den Abdeckungsgrad der einzelnen Mobilitätsprinzipien und -ziele, resp. den Beitrag der Mobilitätsprojekte an die Mobilitätsstrategie.

SUI_Zuerich2013Multimobiltag1861Aus den Prinzipien- und Zielabdeckungen wurde unter Einbezug der Dienstchefs TAZ, VBZ und DAV der Handlungsbedarf identifiziert und daraus Handlungsempfehlungen in Form von spezifischen Massnahmen abgeleitet. Die Resultate der Anwendung 2008 von WICO sind im Infoblatt 04/2009 beschrieben.

 

Strategiekonformitätsprüfung durch die SKP

Mit der SKP wird während der Erarbeitung eines Bauprojektes laufend überprüft, ob die Zielsetzungen der Mobilitätsstrategie eingehalten werden. Dieses Instrument richtet sich an die Projektleitenden und steht seit 2002 zur Verfügung. Wichtige Bauprojekte werden mit einem einheitlichen Instrument auf die Strategiekonformität geprüft. Zentrales Element dieses Instrumentes ist eine Checkliste mit Indikatoren zur Beurteilung der Nachhaltigkeit. Die Bauprojekte werden qualitativ beschrieben und beurteilt (++ bis – -, von sehr gut bis ungenügend).

SUI_Zuerich2013Multimobiltag2091Die SKP soll von der projektierenden Stelle zur Selbstkontrolle bei wichtigen Zwischenschritten, erstmals bei der Projektdefinition, resp. während der Vorstudie vor der Variantenwahl, dann während der Projektierung wenn genügend Projektdaten zur Verfügung stehen und bei Projektabschluss eingesetzt werden. Ab 2009 wird an der Anhörung entschieden, ob eine SKP durchgeführt werden muss oder nicht.

Die Resultate werden jeweils von der Arbeitsgruppe Mobilitätsstrategie (AGM) überprüft. Die AGM ist für die Gesamtabwägung aller beurteilten Mobilitätsvorhaben zuständig. Dabei gilt das Ausgleichsprinzip: über alle beurteilten Projekte können negative Entwicklungen in einem Teilbereich durch ausreichende Kompensation in anderen Teilbereichen der Nachhaltigkeit ausgeglichen werden.

Die Kritierien für die Bewertungsskala

Gesellschaftliche Dimension

1. Qualität der Lebensräume und des Wohnumfeldes,  2. Verbindung der Lebensräume und des Wohnumfeldes,  3.   Attraktivität der Quartierzentren und der Innenstadt,  4.   Sicherheit Verkehr (Safety),  5.   Sicherheit Sozial (Security),  6.   Zugang für alle, 7.   Partizipation / Individualität

Wirtschaftliche Dimension

1.   Kostenwahrheit und Kostentransparenz,  2.   Wettbewerbsfähigkeit,  3.   Adäquate Erschliessung,  4 .  Leistungsfähigkeit des Mobilitätssystems,  5.  Effizienz des Wirtschafts- und Güterverkehrs,  6.   Zuverlässigkeit,  7 .  Komfort

Ökologische Dimension

1.  Energieeffizienz des Verkehrssystems,  2.   Treibhausgasemissionen,  3.   Luftbelastung,  4.  Verkehrslärmimmissionen,  5.   Schutz natürlicher Lebensräume,  6.   Ökologische Vernetzung, 7.   Flächenbedarf und Bodenversiegelung

 

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3 Kommentare zu Züri-Multimobi: Besucherandrang zeugt vom Interesse der Bevölkerung an Umweltfragen

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